Holz-Hubertus erinnert an besonderen Schützen

Harry Köcher bleibt unvergessen - bei den Mitgliedern des Plauener Schützenvereins "Treffer", auch wenn er bereits 2003 starb. Ein halbes Jahr vor seinem Tod überreichte er seinem Schützenverein einen geschnitzten Hubertus - den Schutzpatron der Jäger und Schützen.

Ihren Hubertus lassen die Schützen jedes Jahr Hochleben - "meistens am dritten Juli-Wochenende", erzählt Henry Sattler, Schatzmeister des Vereins und Inhaber der "Schützenklause". Der Hubertus von Harry Köcher hat einen Ehrenplatz bekommen an der Wand gleich neben der Theke der Schützenklause.

1990 wurde der Schützenverein Treffer gegründet. "Harry Köcher war zwar kein Mann der ersten Stunde, er ist aber unserem Verein bereits kurz nach der Gründung beigetreten", erinnert sich Vorstandsmitglied Rudolf Laudel.

Köcher sei ein sehr zurückhaltender Mensch gewesen - alles anderes als ein Selbstdarsteller, der mit seinen sportlichen Erfolgen hausieren gegangen ist. "Er war ein Mensch wie jeder anderer, der ganz selten von den alten Zeiten erzählt hat", so Laudel. "So richtig nachgebohrt haben wir auch nicht", fügt Laudel hinzu. Wichtig sei für Köcher seine Familie, seine Tochter gewesen. Und seine spätere zweite Leidenschaft neben dem Schießen - das Schnitzen. Er besuchte dazu sogar Kurse in Oberammergau - der hölzerne Hubertus in der Schützenklause erinnert daran.

Harry Köcher wurde 1933 im thüringischen Schlegel in der Nähe von Bad Lobenstein geboren. Trainiert hat er vermutlich von Beginn an in Plauen, nachdem der hiesige Schießstand 1962 /63 gebaut wurde - obwohl er für die GST Leipzig an den Start ging. "Doch sowohl Harry als auch seine Frau Erna durften in Plauen wohnen und trainieren", erinnern sich Laudel und Sattler.

1964 war Harry Köcher der beste Gewehrschütze Deutschlands - und die Qualifikation für das Olympia-Team war hart. Schließlich ging in Tokio vorerst zum letzten Mal eine gesamtdeutsche Mannschaft an den Start. Köcher setzte sich im Vorfeld gegen einen vierfachen Weltmeister und den damaligen Europameister durch. Die beiden blieben zu Hause, Köcher flog nach Tokio - und wurde mit dem Kleinkaliber-Gewehr im Dreistellungskampf Vierter. Lediglich drei Ringe fehlten zu Bronze, nur vier zu Silber. In dieser Disziplin mussten liegend, kniend und stehend jeweils 40 Schuss aus 50 Meter Entfernung abgegeben werden. Mit dem Freien Gewehr im Dreistellungskampf aus 300 Meter schaffte Köcher in Tokio noch Platz acht.

Enttäuscht darüber, dass es für eine Medaille so knapp nicht gereicht hat, war Harry Köcher nicht. So ist es zumindest 2002 in einem Zeitungsartikel nachzulesen, der in der "Treffer-Chronik" abgedruckt ist. "Ich habe nie von der Blech-Medaille gesprochen", so Köcher, der immer ein Sportfan geblieben ist und die Olympischen Spiele täglich verfolgt hat. Auch das steht in dem Artikel, der zu den Olympischen Winterspielen 2002 erschien. Für welche Wintersportart sich Köcher da besonders interessierte ? Na logisch - Biathlon.

Doch der "Verdiente Meister des Sports der DDR" war nicht nur bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei. Insgesamt holte er vier Medaillen bei Europameisterschaften und sieben Titel bei DDR-Meisterschaften. Auch Ehefrau Erna, die vor Harry Köcher starb, war eine erfolgreiche Schützin und nach der Wende ebenfalls Mitglied beim Schützenverein Treffer.

"Harry Köcher ist aus Verbundenheit zum Schießsport beigetreten, selber geschossen hat er kaum noch", so Henry Sattler. Aber wenn, dann musste sich die (interne) Konkurrenz warm anziehen. "Er war ein Naturtalent", sagt Rudolf Laudel. Das bekam auch die bundesdeutsche Luftwaffe zu spüren. Deren Vertreter stellten sich nach einer Ausstellung auf dem benachbarten Festplatz zu einem Wettkampf mit dem Schützenverein Treffer. Das Ergebnis: Plauen hat gewonnen - auch dank Harry Köcher.