Holocaust-Überlebender Justin Sonder in Plauener Friedensschule: "Darum kann es keinen Gott geben"

Der kleine Mann saß auf der Bühne der Aula vor 50 Schülern und Lehrern und machte während seines Vortrages stets einen sehr vitalen, starken, stolzen Eindruck. "Wenn ich mir überlege was Justin Sonder alles erlebt habe, freue ich mich immer wieder, wie gut drauf der ist und welche Energie er noch besitzt, trotz Krankheit", erwähnt Peter Giersich, sein Begleiter auf der Tour durch die Schulen der Region.

Dem 84-jährigen Juden und Holocaustüberlebenden sei es eine Herzensaufgabe, den jungen Menschen zu vermitteln, was in der früheren deutschen Geschichte geschah und was nie wieder passieren dürfe. "Menschen aufgrund ihres Glaubens, ihrer Identität bewusst vernichten zu wollen - das war der Deutsche Faschismus", sprach er laut aus.

Gerade behandeln die Achtklässler im Geschichtsunterricht diese Zeit. 1933 bis 1945. Inklusive dem Jahr 1936, als die Olympischen Spiele in Berlin stattfanden. Denn das Thema Olympia ist auch Objekt des derzeitigen Schulprojekts. Es sei ein zwar weiter, aber immer noch aktueller Bogen in das Jahr 2012, jetzt wo in London wieder Olympiade ist, meinte Schulleiter Uwe Zimmermann in der Einleitung.

Zu verstehen, was aus einem solchen Ereignis gemacht werden könne, wenn ein solches Regime wie das von Hitler an der Macht ist und den Menschen verbindenden Geist von Olympia so sehr missbraucht, das skizzierte auch Justin Sonder mit Begebenheiten von 1936.

Jesse Owens, der farbige Leichtathlet, der vier Goldmedaillen erkämpfte, wurde von Hitler missachtet, in dem er hasserfüllt gegenüber den Amerikaner das Stadion verließ. Jüdische Sportler durften nach massivem Druck des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) doch starten. Und Deutschland gab sich in der Öffentlichkeit weltoffen und tolerant, obwohl es schon KZ gab, Juden ihre Stellungen und ihr Eigentum verloren und Jahre später mehr und mehr die Schlinge zugezogen wurde.

Der kleine Justin erlebte den Schulausschluss als jüdischer Junge, die Reichskristallnacht gegen die jüdische Bevölkerung. Nach seiner Ausbildung zum Koch musste er Zwangsarbeit leisten. 1943 wurde er verhaftet und deportiert. Nach Ausschwitz. "Ich bekam die Häftlingsnummer 105027", erzählt Sonder den Friedensschülern. Die Zahlen befinden sich bis heute eingebrannt auf seinem Arm. Justin Sonder wurde ins Konzentrationslager Auschwitz III Monowitz gebracht. Dort durchlitt der junge Mann zahlreiche so genannte Selektionen.

Justin Sonder erlebte die Evakuierung des KZ am 18. Januar 1945. Er kehrte als einer der wenigen überlebenden Juden zurück in seine Heimatstadt, wo er bis heute wohnt.

Justin Sonder, der Jude, ist kein gläubiger Mensch mehr. Sein tief prägender Satz, auf das Warum lautet: "Das was ich erlebt habe, lässt mich zu dem Schluss kommen: Darum kann es keinen Gott geben."