Hoher Forschungsbedarf für Erdbebenregion Vogtland

Der Geochemiker Horst Kämpf ging in Bad Elster erstmals an die Öffentlichkeit: Seit Jahren analysiert er die Erdbeben und den Vulkanismus im Vogtland - und hofft auf mehr Geld für die Forschung.

Bad Elster - Bricht irgendwann im Vogtland ein Vulkan aus? Ein Vortrag zu dieser Frage interessierte mehr Vogtländer als anfangs gedacht: Am Dienstagabend wurden zusätzliche Stühle in den Kurhaus- Saal geschafft, um allen 200 Gästen einen Platz zu bieten. "Sie dürfen weiter beruhigt schlafen, im Vogtland wie in der Eifel haben wir erhöhten Forschungsbedarf, aber keine Anzeichen einer konkreten Gefährdung", antwortete Dr. Horst Kämpf vom Geoforschungszentrum in Potsdam auf die Frage nach einem drohenden Vulkanausbruch.

Der Region fehlten zielgerichtete Untersuchungen um weitere Fragen zu klären: Gibt es ein erhöhtes Gefährdungspotential? Wie weit steigt Magma auf? Wo genau befinden sich im Untergrund die vermuteten Magmenkammern? Und könnten sich irgendwann Vulkanausbrüche wie in der Vergangenheit in Zukunft wiederholen? "Unsere Forschungen zur Erde liegen im Vergleich zur Medizin hunderte von Jahren zurück. Es ist, als würde die weder den Blutkreislauf kennen, noch wissen, wo die Organe liegen."

Seit über 30 Jahren forscht der Geochemiker Kämpf aus Potsdam mit anderen Kollegen im Dreiländereck zwischen Sachsen, Bayern und Tschechien, hat unzählige Gasproben entnommen und frühere Vulkanstrukturen untersucht. Nach jetzigem Stand vermutet er in 65 Kilometern Tiefe zwischen Marienbad, Karlsbad und dem südlichen Vogtland ein Magmen-Reservoir.

Einzelne Magmenteile könnten bis in den Bereich von 30 Kilometern Tiefe aufgestiegen sein, die Schwarmbeben damit in Verbindung stehen. "Auch in Bad Elster gibt es zur Zeit magmatische Aktivität." Seit dem Jahr 2000 habe man eine "dramatische Erhöhung" von Isotopen wie Kohlenstoff und Helium an den Gasaustrittsstellen und Quellen messen können.

"Vor allem vor, nach und während der Erdbeben steigen sie an." An manchen Stellen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet erreichten die gemessenen Gasflüsse die Größenordnung von Vulkanen. Die Kosten für weitere Forschungen würden in die Millionen gehen. "Wir sind froh, dass ein internationales Gremium zumindest Tiefenbohrungen für die nächsten Jahre bewilligen will."

Die Kosten für dieses Tiefenobservatorium belaufen sich auf eine Million Dollar. "Die Politik handelt meist erst bei einer Katastrophe. Uns Wissenschaftler beschäftigen Themen auch schon in Vorkrisen-Situationen. Vor allem in diesem dicht bevölkerten Gebiet bräuchten wir ein gut ausgebautes Messnetz, um weitere Daten zu sammeln.

Ein Politiker fragte mich einmal, warum - es sei doch noch kein Vulkan im Vogtland ausgebrochen." Am 24. September starten zwei Busse zu einer grenzübergreifenden Geo-Exkursion in das deutsch-tschechische Grenzgebiet. Kämpf will dann vor Ort das Vulkangebiet und Entgasungsstellen zeigen.