Hohe Geldstrafen für Kindergärtnerinnen in Mechelgrün

Auerbach - "In dubio pro reo - Im Zweifel für den Angeklagten": Auf diese vier Worte setzten die beiden Verteidiger Michael Rößler und Oliver Bittmann und forderten Freispruch für ihre Mandantinnen Ramona R. und Ilona Sch.

 

Den Gefallen tat Richter Helmut Böhmer den beiden angeklagten Kindergärtnerinnen aus Mechelgrün nicht und verhängte gegen sie saftige Geldstrafen. Emotional ging es auch am letzten Prozesstag am Freitag am Amtsgericht Auerbach zu. Acht Eltern schilderten eindrucksvoll, was ihre Kinder von den Geschehnissen in der Kita zu Hause erzählten und wie sie sich, dem Einfluss dieser beiden Kindergärtnerinnen ausgesetzt, verhielten: Manche wurden aggressiv, andere ängstlich, verstört, einer begann zu stottern, nässte nachts ins Bett. Von Zwangsfütterung, einem Pflaster auf dem Mund, von Haue auf den Popo und eingepullterten Schlüpfern, den die Frauen Kindern ins Gesicht gedrückt haben sollen, war immer wieder die Rede.

"Ich habe keine Bedenken, sämtlichen Zeugen zu glauben. Zweifelsohne hat in der Kita ein rauhes Klima geherrscht. Und mit Kot und Erbrochenem zu arbeiten, das ist einfach widerlich", so Richter Böhmer. Auch sprach der Richter die Küchenkraft und Erzieherin Katrin S. - beide Hauptbelastungszeugen - frei von Belastungseifer, der den beiden Frauen immer wieder von den Verteidigern der Angeklagten vorgeworfen wurde. Diese warfen den Zeuginnen Mobbing vor, Oliver Bittmann bezeichnete Erzieherin Katrin S. gar als "Mutter aller Belastungszeugen".

 

Beide seien nur auf die Jobs ihrer Mandantinnen scharf gewesen. Diese Verschwörungstheorie sei Unsinn, denn die Küchenfrau besitze ja gar keine Qualifikation als Erzieherin, könne ergo den angeklagten Frauen gar nicht die Arbeitsstelle streitig machen, so Staatsanwalt Hans-Christian Fink. Dafür wartete zuvor die Verteidigung mit einem Zeugen auf, der den angeklagten Kindergärtnerinnen die Stange hielt. Der Rentner, der seine beiden Enkel täglich in die Kita brachte, habe dort nie ein Kind weinen sehen. Er bezeichnete die beiden Kronzeuginnen als "Schmalzgesichter", Erzieherin Katrin S. als "so eine Jungsche, die sich nach vorne spielen wollte". Und überhaupt sei da wohl alles "an den Haaren herbeigezogen worden" von den Eltern, die die ganze Sache gegen die beiden Angeklagten "mafiaähnlich organisiert" hätten. Weil er mit diesem "Sumpf" nix zu tun haben wolle, habe er seine Enkel nun aus der Kita genommen.

Auf diese Aussage hin ging ein empörtes Raunen durch die im Gerichtssaal sitzenden Eltern - und es ertönte wieder, als bekannt wurde, dass Ramona R., der die Gemeinde nach den Vorfällen fristlos kündigte, noch eine Abfindung von 4000 Euro abkassiert hatte. Auch die beurlaubte Ilona Sch. bekommt ihr volles Gehalt weiter bezahlt, was die Eltern mit "ungerecht" kommentierten. Und das für eine berufliche Vita, über die die Eltern nur den Kopf schütteln konnten.

 

Die stämmige Ramona R. war lediglich in den 1970er Jahren, kurz nach ihrer Erzieherausbildung, im Beruf tätig. Später arbeitete sie in verschiedenen Lohnbüros, nach der Wende kamen Arbeitslosigkeit und eine ABM nach der anderen dazu. Auch Kollegin Ilona, ausgebildete Kinderkrippen-Erzieherin, war zeitweise in Büros und auch als Hausmeisterin bei der Kirche beschäftigt. Erst 2006 gab es für beide wieder eine Festanstellung - im "Sonnenkäfer" Mechelgrün. Für Ramona R. sprang sogar der Posten als stellvertretende Leiterin raus. Diese Karriere dürften sich nun beide mit einem Eintrag ins Vorstrafenregister verscherzt haben. Nichtsdestotrotz soll Ramona R. schon wieder beim Arbeitsamt als jobsuchende Kindergärtnerin vorstellig geworden sein. In einem ähnlichen Fall war eine Erzieherin im Kreis Greiz mit zwei Jahre Berufsverbot belegt worden.  gl