Hoffnung im Namen der Rose

Fast eine Woche ist es her, dass der junge Afghane Zaidullah A. von seinem Arbeitsplatz in einem Plauener Unternehmen verhaftet und per Flieger von Leipzig nach Kabul abgeschoben wurde. Wie geht es ihm jetzt?

Plauen "Meinem Cousin geht es schlecht. Nach der Landung in Kabul hatte er sich bei Verwandten versteckt, doch die wollten auch nicht in Gefahr geraten, nun taucht er jeden Tag in einem anderen kleinen Hotel unter", sagt sein Cousin, der in Chemnitz wohnt und regelmäßig mit Zaidullah Kontakt hat. Unsere eigenen Versuche, ihn anzurufen scheiterten - wahrscheinlich traut er keinen Anrufern, deren Nummer er nicht kennt.
Völlig unmöglich sei es, sagt sein nahezu perfekt Deutsch sprechender Cousin, dass sich Zaidullah zu seiner Familie nach Lodar im Norden des Landes durchschlägt, wo auch die Leute des Cousins wohnen. Dort - und nicht nur dort - wimmele es von Taliban. "Und wenn die Bedrohung durch Gotteskrieger vor seiner Flucht nach Deutschland bei 80 Prozent lag, dann sind es jetzt 100 Prozent", sagt der Cousin, der in Chemnitz ebenfalls einen festen Job hat. "Die aus Europa zurückkommen, fügt er an, seien besonders gefährdet, weil sie dann in den Augen der Taliban keine Muslims mehr seien. "Ich habe heute früh mit ihm sprechen können, aber genau genommen kann es ihn momentan überall erwischen." Auch er beklagt, dass sein Verwandter zu früh abgeschoben worden sei. Der 26-Jährige, der bei einem Plauener Automobilzulieferer als Schweißer arbeitete wäre für eine so genannte Beschäftigungsduldung in Frage gekommen - gedacht für Menschen, die ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Besagte Beschäftigungsduldung tritt zwar erst am 1. Januar 2020 in Kraft, viele Bundesländer - außer Bayern und Sachsen - schieben aber bis dahin keine Personen mehr ab, für die diese Regelung zutrifft. "Der Antrag war gestellt, das Ergebnis noch offen", wiederholt der Cousin seine Kritik am Vorgehen gegen Zaidullah. Zudem müsse der sich eigentlich ärztlich behandeln lassen. Als ihn fast ein Dutzend Polizeibeamte vergangenen Donnerstag in seine Wohnung begleiteten, um ein paar Habseligkeiten zu packen, habe sich Zaidullah in seiner Verzweiflung mit einem Messer eine Wunde am Arm beigebracht, um vielleicht doch bleiben zu können - die müsse eigentlich dringend versorgt werden. Die Behandlung durch die Beamten im Flieger sei halbwegs korrekt gewesen, gibt der Cousin die Aussage von Zaidullah wider. Allerdings seien alle 36 Abgeschobenen während des gesamten Fluges auf dem Rücken gefesselt gewesen. Wie es nun in Afghanistan weitergehen soll? "Bei unserem letzten Gespräch bat er mich inständig, ich möge zu seinem Chef gehen in der Hoffnung, der könne etwas ausrichten. Wenn er überlebe, dann käme er auf alle Fälle auf dem schon einmal genommenen Fluchtweg zurück nach Deutschland, wen ihm eine legale Rückkehr verwehrt bliebe. "Aber wir wissen alle, dass es monentan absolut unmöglich ist, diesen Flucht zu passieren", fügt sein Cousin mit zitternder Stimme an. top