"Höschenkrieg" an der Ostsee

In Kooperation mit dem Museum für Badekultur der Römerthermen in Zülpich wurde in der Kunstwandelhalle eine Ausstellung über die kulturgeschichtliche Entwicklung der Freikörperkultur auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze eröffnet.

Von Steffen Adler

Bad Elster "Es ist sicher keine Ausstellung die man der Weihnachtszeit zuordnen könnte. Doch in Fortführung des 30. Jahrestages des Mauerfalls und der Wiedervereinigung zeigt sich, wie sich die politischen Verhältnisse auch unterschiedlich auf die Badekulturen in Ost und West auswirken", hob Ute Gallert, Mitarbeiterin der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft in ihrer Laudatio hervor.
Die Wanderausstellung thematisiert einerseits den Umgang mit der FKK-Praxis in Ost- und Westdeutschland und andererseits die unterschiedlichen Entwicklungen in der öffentlichen und privaten Badekultur. "Als im Osten die Menschen ihre FKK-Strände verteidigten, versuchte man das sogar schon als Opposition gegen das SED-Regime zu interpretieren", blickte Ute Gallert auf die Zeit zurück, als in der DDR die FKK-Bewegung rasch zunahm und sich an den Stränden niemand selbst am gemischten Baden gestört hat.
Zwar kommt die FKK-Bewegung nicht aus der DDR, fand aber dort ihre größte Anhängerschaft. Bis heute verteidigen die Ostdeutschen ihre Nacktbadestrände. "Der öffentlichen Prüderie, die sich beispielsweise in der Reglementierung von Nacktfotos in Zeitschriften zeigte, stand der private ungezwungene Umgang mit der eigenen Nacktheit gegenüber. Schließlich lenkte auch der Staat ein und machte aus dem Wildwuchs der FKK-Kultur ein halbwegs geordnetes Nebeneinander von Nackten und Textilbadegästen. 1982 wurden insgesamt 40 offizielle Nacktbadestrände ausgewiesen, 1988 waren es dann schon 60", führte Ute Gallert aus. Als dann mit der Wende die Leute aus dem Westen den Osten erkundeten, konnten sie an den Küsten vor lauter Nacktbadenden ihren gewohnten Textilstrand nicht finden. "So kam es bald zum sogenannten "Höschenkrieg". Dass die Auswirkungen der deutschen Teilung auf die Entwicklung der Badekultur nicht so klar identifizierbar sind, hat Theresa Zöller feststellen können, welche als Kuratorin der Ausstellung sich eineinhalb Jahre mit den Themen beschäftigt hat.
"Es gab viele Unterschiede, aber durchaus auch Gemeinsamkeiten", stellt sie fest und ist auf manche Kuriosität gestoßen. So zum Beispiel auch, dass die Freikörperkultur ihre Wurzeln bereits im Kaiserreich hatte. "Man glaubt gar nicht, wie viele Objekte der Ostalgie noch heute in Internet-Plattformen zu finden sind", stellt sie nach der Konzeption bei der Suche nach passenden Objekten für die Ausstellung fest. So zeigt die Ausstellung nicht nur Fotos mit typischen Momentaufnahmen von Badestränden in Ost und West, sondern auch Bademode und die verschiedenen Hygieneprodukte, die in Ost und West verwendet wurden. Als größtes Objekt der Ausstellung präsentiert Theresa Zöller das Modell einer DDR-Badezimmereinrichtung, die sie mit viel Mühe auf einer Baustelle ausfindig machen konnte. Einblick in ostdeutsche Lebenswelten gibt die Ausstellung auch mit einem Stück Mauer, auf der eine interessante Sammlung mit DDR-Witzen gelesen werden kann. Umrahmt wurde die Eröffnung der Ausstellung - die noch bis 9. Februar jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17.30 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen zusätzlich von 9.30 Uhr bis 12 Uhr sowie zu den Veranstaltungen in der Kunstwandelhalle Bad Elster besichtigt werden kann - vom Konzertmeisterquartett der Chursächsischen Philharmonie.