Hodgson "wandert" in Zwickau

Rodger Hodgson, der geniale "Wanderer", legte in der Zwickauer Stadthalle einen Zwischenstopp ein - begleitet von einer ebenso fabelhaften Band.

Von Udo Hentschel

Zwickau Angelehnt an das Buch von W. H. Davies mit dem Titel "The Autobiography of a Super-Tramp" entstand einst der Name für - Supertramp. Alle Titel dieser Band würden sicher auch ein Buch füllen. Einige Seiten wurden am Freitag aufgeschlagen und dargeboten.

Als Keyboarder Ray Coburn, Bassist David J. Carpenter, Drummer Bryan Head und der universelle Bläservirtuose und Multiinstrumentalist Michael Ghegan ihre Plätze eingenommen haben, kommt auch er - mit hellem, leicht kariertem, Jackett und bunter Weste, brauner Hose, weißem Hemd, weißen Schuhen, weißen Socken: Roger Hodgson. Der Saal tobt. Keine großen Worte. Der 69-Jährige nimmt hinter seinem Keyboard Platz. Mit "Take A Long Way Home" beginnt ein zweistündiges Programm mit einigen der größten Hits seiner früheren Band und Werken seiner Solokarriere.

Dabei wechselt der in Portsmouth geborene Engländer vom Synthesizer zur zwölfsaitigen Gitarre oder ans Klavier. Es folgen "School" und "Breakfast In America". Zwischendurch immer ein Schluck Tee "oder vielleicht doch Whisky", denn er "habe irgendwie etwas Grippe" und müsse seine Stimme in Form halten, um auch alle Höhen und Tiefen der Songs ordentlich darbieten zu können. Und: "Musik ist jedoch die wunderbarste Medizin. Für mich ist sie das. Also lasst uns zwei Stunden alle Sorgen um uns herum vergessen und Musik genießen."

Nach "Lovers In The Wind" ist das Publikum dran - und macht es recht gut. Die (nur) etwa 2000 Gäste schaffen es, bei "Easy Does It" einen "pfiffigen" Chor zu bilden. Dann wacht das Rund so richtig auf. Begeisterte Pfiffe und Mitklatschen begleiten "The Logical Song", wofür es ein erstes Staccato gibt. "Ich glaube, es sind viele Songs heute dabei, die den Soundtrack meines aber auch eures Lebens bilden", meint Hodgson und stimmt "Lord Is It Mine" an. Mit "Death And A Zoo From Open The Door" folgt ein Stück aus der Solokarriere des Briten - etwas mystisch, mit einem Hauch von Pink Floyd aber doch Supertramp der frühen Jahre. Wie einst hat sich auch an der Hodgson'schen Palmen-Bühnendeko nichts geändert. Wen kümmert's. Nach anfänglichem etwas mager ausgesteuertem Sound sind auch Bass und Drums angekommen. Von Anbeginn aber die vier Bandmitglieder, die - neben ihrem musikalischem Zutun - mit ihren Backgroundstimmen dem Frontmann kaum nachstehen. Längst hat der sich seines Sakkos entledigt, hat die überwiegend älteren Fans aufgefordert, doch aufzustehen und ruhig an die Bühne zu kommen. Nach "Had A Dream" folgen die wohl besten, weil berührendsten, Stücke des Abends: "Only Because Of You" und "Fool's Overture".

Danach wirds flott und grandios. Mit der Ankündigung von "Dreamer" herrscht zunächst pure Euphorie im Saal. Dann fragt Hodgson: "Möchte vielleicht jemand auf die Bühne kommen und mitsingen?" Ein junger Mann meldet sich. Alle glauben an einen Fake, als er wie selbstverständlich neben dem Supertramp-Urgestein steht, mit ihm Smalltalk hält und während dessen verkabelt wird. "Ich bin extra aus Prag angereist, liebe die Musik dieser Band und insbesondere diesen Titel." Vojta, 29 Jahre alt, Salesmanager IT, darf Frontmann spielen. Wow, was für eine Stimme, dem Original sehr nah. "Er hat perfekt gesungen", zeigt sich Hodgson begeistert und Vojta erntet einen riesigen Beifallssturm. Der Streifzug durch die Supertramp-Bandhistorie geht dem Ende entgegen. Alle singen und swingen - weshalb aber bei voller Saalbeleuchtung - "Give A Little Bit". "Na gut, einen noch!" meint der Mann mit der ergrauten Mähne. "Dann gehen wir alle mit einem Lächeln auseinander und glücklich nach Hause, in eine laue Nacht und auch, weil es nicht regnet. "It's Raining Again" ist sozusagen der Rausschmeißer.

Anmerkung: Auf Anordnung des Managements durfte nur schwarz-weiß fotografiert werden.