Hochwasser: Weitere Vogtländer müssen ihre Häuser verlassen

Im Bereich der Weißen Elster unterhalb der Talsperre Pirk hat sich die Situation in den letzten zwei Stunden verschärft, insbesondere in der Gemeinde Weischlitz. Die Ortsdurchfahrt Weischlitz ist voll gesperrt.

Die Lage in Morgenröthe-Rautenkranz, Mylau und Netzschkau ist nach wie vor angespannt. Mylau bereitet zurzeit eine Evakuierung von zwei Straßenzügen vor, das betrifft ca. 250 Personen. Diese wurden in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden untergebracht. Ihre Versorgung ist sichergestellt.

In der Gemeinde Muldenhammer, OT Jägersgrün, im Bereich der Zwickauer Mulde wurden zehn Personen evakuiert, die sich bei Verwandten untergekommen sind. In Rodewisch wurden bereits im Bereich Walzstraße/Göltzschtalstraße 20 Personen evakuiert. Davon wurden acht Personen kommunal und zwölf Personen privat untergebracht. Die Betreuung erfolgt durch einen DRK-Betreuungszug. Eine Familie mit einem betreuungsbedürftigen Kind wird in der Diakonie Auerbach betreut. 

Ein Bürgertelefon ist heute ab 18:00 Uhr geschaltet und unter Telefon 03741 39244444 erreichbar.

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Nach wie vor existiert eine sehr belastende intensive Wetterlage. Laut Aussage des meteorlogischen Dienstes wird diese noch mittelfristig andauern. Alle Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, sich auf diese Verhältnisse umfassend einzustellen.

Da auch Straßen wegen Überflutung im Vogtlandkreis gesperrt bleiben, muss der Fahrzeugverkehr auf ein Minimum gegrenzt werden. Schwerpunkt der angespannten Hochwasserlage ist Morgenröthe/Rautenkranz und Mylau, wo bereits Einwohner evakuiert wurden. Der gesamte Ortskern von Mylau wurde evakuiert. Hier treffen die Göltzsch und der Seifenbach aufeinander. Andere Orte insbesondere an der Göltzsch befinden sich ebenfalls in einer angespannten Lage. Entwarnung ist auch dort nicht in Sicht.

Der Pegel der Weißen Elster steigt derzeit rasant an. Am Nachmittag könnte die Alarmstufe 4 erreicht werden. Die Talsperre Pirk kann kein Wasser mehr fassen und läuft über. In Kürbitz, Straßberg und Weischlitzt spitzt sich die Situation zu.

Zwischen 16 und 18 Uhr erfolgen voraussichtlich Informationen zum Schülerverkehr am Montag.

Foto: Der Seifenbach in Mylau tritt über die Ufer.

Wassereinbruch im Mühltroffer Textilunternehmen Pongs, überflutete Straßen und Keller und weiter steigende Pegelstände von Göltzsch und Weißer Elster - das Vogtland ist weiter in Alarmbereitschaft.

Plauen - Das Hochwasserzentrum in Sachsen warnt vor steigenden Wasserständen: Für den Oberlauf der Weißen Elster und die Göltzsch wird bis zum Sonntag die höchste Alarmstufe 4 erwartet. Auch die Mulde steige weiter an. 

Der anhaltende und starke Regen der vergangenen Tage hat bereits am Freitag Straßen und Keller im Vogtland unter Wasser gesetzt. Die Feuerwehren wurden zu über 30 Einsätzen gerufen. Schon am frühen Morgen hieß es Land unter beim Mühltroffer Textilunternehmen Pongs. Der durch das Firmengelände fließende Königsbach trat über die Ufer und auch von den Konturen des Löschteiches war nichts mehr zu sehen. Zwei Keller, die als Lager für Garne, Roh- und Fertigware genutzt wurden, waren geflutet. "Alles was an Stoffballen auf den Paletten bis zu 40 Zentimeter Höhe stand, ist tropfnass und unbrauchbar", schildert Betriebsleiter Jürgen Nitsche die Situation, die er finanziell noch nicht beziffern konnte.

"Dabei haben wir 2005 alles Hochwasser sicher ausgebaut. Dass der Königsbach von 20 Zentimeter auf 1,50 angeschwollen ist, haben wir auch noch nicht erlebt. Selbst bei starker Schneeschmelze war es nur etwa die Hälfte der heutigen Wassermenge", sagt Nitsche. Am Nachmittag war der eine Keller dank der umliegende Feuerwehren trockengelegt. Im zweiten wurde noch abgepumpt. Nicht sicher war, ob der dort befindliche Fahrstuhl ohne Schäden davon kam. "Ich hoffe, dass die Situation angesichts der weiteren Regenfälle nicht schlimmer wird. Zum Glück konnten wir bislang im Betrieb weiter produzieren."

Wegen Überflutung sind die B 173 in Mylau, die Straßen zwischen Oberlauterbach-Reumtengrün sowie in Tirpersdorf, Reimersgrün und Kauschwitz voll gesperrt. 

Wird Katastrophenalarm ausgerufen, entscheiden Gemeinde und Feuerwehren vor Ort über geeignete Maßnahmen wie Evakuierung. "Sollte in Ihrer Gemeinde eine Warnung über Sirene im 1 Minuten-Heulton erfolgen, erhalten Sie über das Vogtland Radio weitere Informationen", heißt es aus dem Landratsamt.

Laut Katrin Schöne von der Landestalsperrenverwaltung würden die Talsperren abgelassen, um Stauraum zu schaffen. Das zehn Millionen Kubikmeter Wasser fassende Rückhaltebecken der Talsperre Pöhl habe fast noch komplett Platz. Bei der Pirk sei die Situation auf Grund der wesentlich geringeren Größe etwas anders. Aber auch da gebe es gegenwärtig noch Reserven.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mit einer neuen Regenfront überm Vogtland. Innerhalb von 24 Stunden sollen laut DWD zwischen 50 und 70 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.

Das Landeshochwasserzentrum des Freistaates Sachsen hat in den aktuellen Hochwasserwarnungen für die Oberläufe der Weißen Elster und Göltzsch für die Nacht zum Sonntag das Überschreiten der Richtwasserstände der Alarmstufe 4 prognostiziert.

Für den Oberlauf der Mulde wird ein Überschreiten der Richtwasserstände im Bereich Alarmstufen 2 und 3 vorhergesagt, ein Erreichen des Richtwasserstandes der Alarmstufe 4 aber nicht ausgeschlossen.

"Bitte treffen Sie die nötigen Vorkehrungen, um Schäden zu vermeiden, insbesondere, wenn Sie in Gewässernähe wohnen. Die Gemeinden und Feuerwehren sind informiert. Bitte informieren Sie auch ihre Nachbarn und Bekannte, falls sie diese Information nicht erhalten haben", sagt Tobias Pohl vom Landratsamt.

Hinweis:

Sollte in Ihrer Gemeinde eine Warnung über Sirene im 1 Minuten-Heulton erfolgen, erhalten Sei über das Vogtland-Radio weitere Informationen.

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