Hochschulstandort Reichenbach unsicher

Bleibt Reichenbach Hochschulstandort oder verkommt die Stadt immer mehr zur Provinz? Diese Frage beschäftigt viele. Hochschul-Hoffnungen erhalten durch verschiedene Äußerungen immer wieder neue Nahrung. Konkrete Aussagen indes, die die erhitzten Gemüter beruhigen könnten, fehlen bisher.

Die Neuberinstadt soll unbedingt Hochschulstandort bleiben. Für dieses Ziel wird an mehreren Fronten mit aller Macht gekämpft. Offen und auch versteckt hinter verschlossenen Türen. Die Bürgerinitiative Bitex beispielsweise äußert ihren Unmut über die Absichten des Freistaates, die Außenstelle Reichenbach zu schließen, oftmals lautstark, initiiert Demonstrationen in Dresden und fordert Fakten, beweisbare Zahlen und die Einhaltung von geplanten Lehrerstellen aus den neunziger Jahren.

Jetzt hat sich auch der Evangelische Schulverein Vogtland zu Wort gemeldet. Geschäftsführer Christoph Rabbeau schließt sich der Kritik an der Leuchtturmpolitik der Landesregierung an. Er bezeichnet die derzeitige Situation als "Herausforderung für viele Bereiche der Gesellschaft". Und er ist sich sicher, der Erhalt des Hochschulstandortes Reichenbach kann nur durch gemeinsame Kraftanstrengung vieler Partner geschafft werden. "Die Region muss zusammenhalten und zusammenwirken", sagt er.

Ein solcher Partner will offenbar auch der Evangelische Schulverein sein. Dort hat man sich Gedanken gemacht, wie die Reichenbacher Hochschullandschaft der Zukunft aussehen könnte. Dabei ist ein umfangreiches Papier entstanden, das jetzt bei Oberbürgermeister Dieter Kießling auf dem Tisch liegt. Rabbeau bezeichnet es als "erste Projektskizze". Diese geht von der Neuprofilierung einer Hochschule, möglicherweise einer privaten, aus. Dabei sei, erklärt er, die gute Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft eine unerlässliche Forderung. "Die Schule braucht verlässliche Partner und muss selbst verlässlicher Partner für die Region sein."

Sogar drei mögliche Fachrichtungen werden in dem Papier des Schulvereins vorgeschlagen: Modebereich, Bildungsbereich, innovativ-technischer Bereich. "Textil und Mode haben Tradition in Reichenbach, im Bildungsbereich ist der Schulverein selbst tätig und eine technische Richtung soll zukunftsweisend sein", erklärt Rabbeau.

Der Vorschlag des Schulvereins zeigt einen möglichen Weg auf. Er ist nach Ansicht seiner Verfasser aber nur gangbar, wenn auch die Stadt den Willen zum Engagement zeigt. "Die Stadtväter müssen den Erhalt des Hochschulstandortes zu ihrer Kernaufgabe machen", fordert der Geschäftsführer. Für die Umsetzung werden, schätzt er, zwei Jahre Zeit gebraucht. Eine Neuprofilierung könnte dann für 2015 ins Auge gefasst werden. Zu dieser Zeit befindet sich die Außenstelle der Westsächsischen Hochschule noch in der Abwicklungsphase.

Im Rathaus hält man sich zum Thema bedeckt. Offenbar will die Verwaltung eine Lösung erst präsentieren, wenn sie spruchreif auf dem Tisch liegt. Bestätigt wird lediglich, dass dem OB derzeit mehrere Lösungsansätze vorliegen, wie der Hochschulstandort Reichenbach doch noch gerettet werden kann. va