Hochbetrieb für Mängelmelder

Der Winter weicht und trotz Pandemie hat sich im Vergleich zu anderen Jahren an einem nichts geändert: Schlaglöcher werden sichtbar - alte, die der Schnee gnädig bedeckte und neue. Wie wäre es da mit einer Schlagloch-App, mittels derer Bürger, die Objekte der Reifengefahr unkompliziert an die zuständige kommunale Behörde melden könnten, am besten gleich mit Bild?

Von Torsten Piontkowski

Vor etlichen Jahren geriet der umtriebige damalige Fraktionsvorsitzende der Linken, Wolfgang Hinz, in die überregionalen Schlagzeilen, weil er medienwirksam im Chrieschwitzer Hang Schlaglöcher mit Blumen bepflanzte. Die blühten dann auch eine Weile, bevor das Schlagloch beseitigt war. Inzwischen haben die neuen Medien gewissermaßen auch die Lufthoheit über Schlaglöcher übernommen. Pünktlich zu Beginn des Frühjahrs kommen so genannte Schlagloch-Apps ins Gespräch, mittels derer Bürger die Asphaltfallen an die zuständigen Behörden melden können - am besten mit Bild samt gemessener Tiefe.


Ob eine derartige App auch in Plauen denkbar wäre? Pressesprecherin Silvia Weck zeigt sich leicht irritiert und verweist auf den Mängelmelder, den jeder Bürger nach wenigen Klicks auf dem Online-Portal der Stadtverwaltung finde. Diese Funktion ist seit über einem Jahr in Betrieb und wurde seither mehr als 1000 Mal "angeklickt". Dabei sind die Kategorien denkbar breit gefächert. Jeder den Bürgern im Wortsinne ins Auge fallender Mangel kann zielgerichtet angeklickt und beschrieben werden - beispielsweise Graffiti-Schmierereien, verschmutzte Containerstandorte, Schäden auf Straßen, Rad- oder Fußwegen, defekte Parkscheinautomaten und Ampeln.


Eine Stichprobe ergibt, dass die Bürger den Mängelmelder nicht nur annehmen, sondern ihnen zuweilen auch binnen Stunden "geholfen wird". Am 27. Februar bemängelte ein Bürger den um den Containerstandort Ziegelstraße gelagerten Hausmüll - einen Tag später bedankt er sich für die schnelle Beseitigung. Der jüngste veröffentlichte Eintrag bezieht sich auf den verschmutzten Brunnen vor dem Cafe "Heimweh".


Wie schnell die beanstandeten Mängel beseitigt werden, so Silvia Weck, hänge auch davon ab, ob die Stadt zuständig sei - in manchen Fällen sei auch das Landratsamt die richtige Adresse. Mängel an der Straßenbeleuchtung werden in der Regel schnell behoben, sie werden umgehend an den Städtischen Bauhof weiter geleitet. Die Beseitigung von Straßenschäden, räumt Frau Weck ein, könne länger dauern. Dann erhält der Bürger einen kurzen Zwischenbescheid.
Betreut wird der Mängelmelder vom Team des Bürgerbüros, der die Anregungen und Kritiken in die Fachbereiche der Verwaltung "verteilt". Dass die Zeit für bepflanzbare Schlaglöcher aufgrund deren Fehlens abgelaufen ist, wäre dann aber wohl doch zu optimistisch.