Hoch hinaus im Gymnasium

Klettern war nun erstmals olympisch. In Tokio fand ein Dreikampf aus Speed, Bouldern und Lead statt. Im Vogtland ist die Kletterszene inzwischen angewachsen. Es ist ein Trend mit Vor- und Nachteilen.

Plauen Von einer Einzigartigkeit wurde kürzlich bei einer Ausschusssitzung der Stadt Plauen gesprochen. Die Mehrfeldhalle am Lessing-Gymnasium soll einen Kletterturm bekommen. Mit zwölf Metern Höhe habe er ein Alleinstellungsmerkmal, hieß es.
Architekt Steffen Fugmann habe sich davon leiten lassen, dass in Grünbach am Wendelstein viele Plauener klettern und die Möglichkeiten begrenzt seien in der Region. Der Deutsche Alpenverein (DAV) habe sich das Gebiet dort erschlossen. Da in der Halle möglichst viele Sportarten gebündelt werden sollten, kam in Absprache mit der Stadt die Idee für eine Möglichkeit zum Klettern.
Da sich der Turm im Innenraum befindet, sei er wetterunabhängig nutzbar. Außerdem gäbe es ausreichend Möglichkeiten sich warm zu machen. Ein entsprechender Bodenbelag schützt bei einem möglichen Sturz. Da es sich aber um Klettern in die Höhe handelt, sei dies nur mit einer Sicherung über ein Seil vorgesehen. Bei den Sportlern sei dies auf Begeisterung gestoßen, sagt Fugmann.
1000 Routen
im Vierländereck

Dem Trainingsleiter der DAV Sektion Plauen-Vogtland, Andreas Schumann, war dies aktuell nicht bekannt. Er bemerkte, dass das Vogtland und die angrenzenden Gebiete eine Vielzahl von Möglichkeiten böten. Besonders gern und oft sei man im Steinicht unterwegs. Das Gebiet liegt im Tal der Weißen Elster zwischen Plauen und Elsterberg. Es sei das größte Klettergebiet des Vogtlandes und bietet von liegenden Reibungsklettereien über senkrechte kinder- und anfängerfreundliche Felspartien bis hin zu Überhängen für Freaks alles was das Kletterherz begehrt. Andreas Schuster, der sich bestens in der Region auskennt, hat sogar als Autor ein Buch veröffentlicht mit dem Titel "Kletterführer Vogtland". Darin sind mehr als 1000 Routen im Vierländereck zwischen Bayern, Thüringen, Sachsen und Böhmen aufgeführt, die in den Schwierigkeitsgraden drei bis neun erkundet werden können.
Schumann gibt auch zu bedenken, dass so ein Kletterturm entsprechend betreut werden muss. Gerade beim Klettern mit Sicherung sei noch mehr zu beachten. Grundsätzlich sei das ein absoluter Trendsport geworden, der aber eben nicht ungefährlich ist.
Wer abstürzt, fällt
auf weiche Matten

Einfach so in Felswände gehen, davon sollte man die Finger lassen. Zahlreiche Abstürze habe es dabei schon gegeben. Der DAV bietet entsprechende Grundkurse, bei denen erste Erfahrungen gesammelt werden können.
Noch einfacher ausprobieren kann man Klettern in der Plauener Boulderhalle am Mühlgraben. Bereits seit 2008 gab es erste Möglichkeiten. Seither haben sich Ort und Größe stetig verändert. Der Bedarf sei einfach da, denn die nächsten Hallen befinden sich in Zwickau, Chemnitz und Leipzig. Erst kürzlich wurden neue Routen geschraubt, so dass es immer wieder neue Herausforderungen gibt. In der Boulderhalle wird ohne Seil geklettert. Wer abstürzt, fällt auf weiche Matten. Die Wände haben lediglich eine Höhe, bei der man ohne wesentliches Verletzungsrisiko auf den Boden springen kann.
Bouldern: Klettern
ohne Seil und Gurt

Bouldern war eine der drei neuen olympischen Disziplinen. Es ist das Klettern ohne Seil und Gurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden bis zur Absprunghöhe. Im Gegensatz dazu wird beim Lead mit Seil geklettert. Es ist die traditionelle Form und schwieriger, denn es geht darum, eine definierte Route in einer vorgegebenen Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern und höher als die anderen zu kommen. Bei der dritten Disziplin, dem Speedklettern, geht es darum, in möglichst kurzer Zeit eine Route zu klettern.