Hinz bekommt statt Griesbrei Wurstgulasch

Plauen - Den Mittwoch hatte Wolfgang Hinz bewusst gewählt, um sich und die Wahlziele der Linken den Gästen im Tagestreff der Suppenküche zu präsentieren. Griesbrei, ein Lieblings-Essen des Plauener Direktkandidaten für den sächsischen Landtag sollte es geben. Doch stattdessen wurde Wurstgulasch gereicht.

 

Die etwa 15 Leute an den schlichten Holztischen mit Wachstuchdecke brachte das ebensowenig aus der Fassung, wie die von Hinz verteilten Wahl-Flyer. Wer hierher kommt, hat zumeist andere Sorgen. Es tue ihm leid, dass es Suppenküchen überhaupt geben müsse, aber immerhin seien sie eine Möglichkeit für ein ordentliches Mittag, sagt Hinz und manche unterbrechen dafür das Mittag und hören zu. Außer Hinz macht nur noch einer Wahlkampf - unter der Uhr hängt ein Plakat der Schlämmerpartei.

Am Stammtisch, so haben jene ihren Mittagsplatz getauft, die seit langem kommen, sitzen Elke, Hans und Ludwig, der Jüngste und einsilbigste von ihnen. Gelernt hat er Teilezurichter, sagt Ludwig, und dass er in dem Job schon eine Weile nicht mehr gearbeitet hat, danach braucht man nicht fragen. Elke schaut seit Ende Mai fast täglich vorbei. Das Hartz IV-Geld will gut eingeteilt sein, und hier kostet die Portion Eintopf einen, Fleischgerichte maximal zwei Euro. Hans lebt allein, freut sich auch über den Kontakt zu anderen, den er in der Suppenküche findet. Dass der erste Tag hier Überwindung kostete, räumt er unumwunden ein. Doch selbst als geringfügig Beschäftigter hat er keine Chance, den Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

35 bis 40 Portionen werden pro Tag verteilt, weiß die Teamleiterin des Tagestreffs der Suppenküche, Annerose Söll. Seit fast genau zwei Jahren gibt es die Einrichtung und einen richtigen Trend nach oben hat sie Anfang dieses Jahres beobachtet. Völlig unterschiedlichen Alters seien die Bedürftigen und in den Ferien nutzen auch viele Mütter mit ihren Kindern das Mittag zum Spartarif.

Man ahnt, dass Frau Söll und ihr Team nicht nur Essen ausgeben, sondern auch als Seelsorger gebraucht werden. Die Teamleiterin nickt in Richtung des älteren Mannes, der mit "Halskrause" weit vornüber gebückt am Tisch sitzt. "Schwerer Unfall, Ärztepfusch, er tut mir in der Seele leid", sagt Söll. Immer wieder biete der Alleinstehende Äpfel aus seinem Garten an, freue sich über jedes Wort. "Den Schlüssel wollte er uns geben, wenn er mal nicht mehr komme..." Frau Söll muss schlucken.

Inzwischen hat sich die "Küche" weiter gefüllt. Hinz hat sich mit seiner Alternativ-Kost abgefunden und die Männer und Frauen scheinen dankbar, dass hier niemand die große Werbetrommel ausgepackt, sondern sich einfach dazu gesetzt hat. tp