Hinter den Kulissen der Enka-Schließung

Elsterberg - Stadtrat Wolfgang Haupt war 42 Jahre bei der Enka beschäftigt. Der Rentner blickt hinter die Kulissen der Enka-Schließung: "Die Absatzkrise für Viskosekunstseide trat nicht plötzlich ein: Beweise sind die Schließungen veralteter Werke in Ede (Holland), Kelsterbach (Main) und Oberbruch (bei Aachen) vor Jahren. Der Rückgang der Nachfrage und die Konkurrenz aus Asien, auch Managementfehler hauptsächlich im Verkauf der Produkte, trugen bei. Jetzt soll Enka Elsterberg (380 Arbeitsplätze) geschlossen werden zugunsten von Enka Obernburg (250). Der Obernburger Industriepark ist in Schieflage. Warum weigert sich die Enka-Spitze Insolvenz anzumelden? Weil das Werk Elsterberg vom Insolvenzverwalter als gesundes Unternehmen aus dem Enka-Verbund herausgelöst werden könnte und allein oder mit zum Beispiel einer österreichischen Seiden-Gruppe weiterproduzieren könnte. Der Grund ist der, dass Elsterberg schwarze Zahlen schrieb und die bessere Seide herstellt. Auch das so genannte Auswahlverfahren zwischen Obernburg und Elsterberg war nur Schein, die Entscheidungen waren längst gefallen. Der Einfluss der Landespolitik in Bayern war mit ausschlaggebend. Zwar boten Landrat, Bundestags- und Landtagsabgeordnete der CDU ihre Hilfe an, die Messen waren aber gelesen. Von anderem Mandatsträgern hörte man nichts. Die Vorteile der Produktion in China: billige Arbeitskräfte, keine Umweltvorschriften, keine Sozialabgaben . . . Die Enka-Geschäftsführer in Wuppertal sind nicht an den Gebäuden in Elsterberg interessiert. Man will die Filetstücke von Elsterberg, die hochmodernen Maschinen und Anlagen des modernsten Kunstseidenproduzenten Europas und der Welt - nicht für Obernburg, nein: für China. In Asien locken viel höhere Gewinne. Das Werk Elsterberg ist Opferlamm und wird ausgeschlachtet. Die 264 Betriebswohnungen bleiben im Besitz der Enka GmbH und Co. KG Wuppertal (Verwaltungs-GmbH) - nicht unerheblichen Mieteinnahmen als Nebengeschäft."