Hilfreiche "Gewissensbisse"

Frederike Eisenkolb und Marlen Preßler sind die Chefinnen der "Gewissensbisse". Die beiden jungen Frauen haben vor einigen Monaten ein Geschäft in Lengenfeld eröffnet, in dem es Lebensmittel zu ganz kleinen Preisen gibt.

Von Gabi Kertscher

Plauen Das Besondere daran ist, dass es sich um Produkte handelt, die eigentlich von vielen Leuten weggeworfen werden. Das können Waren mit kurzem oder überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum, wie Milchprodukte, Backwaren, Eier, Feinkost, Wurstwaren, Trockenware, Frostware, Konserven, Getränke, Süßwaren sein. Oder aber die Verpackungen sind beschädigt, Obst und Gemüse haben Druckstellen oder entsprechen nicht der "Norm". Möglich ist auch, dass Firmen zu viel produziert haben und auf ihren Waren sitzen bleiben.
Solche Dinge kommen in das Geschäft im Gewerbegebiet in der Alten Baumechanik 8 in Lengenfeld. Vor einigen Wochen wurden die Mitarbeiterinnen der Plauener Tafel auf das Angebot aufmerksam. Die Leiterin der Arbeitsloseninitiative Konstanze Schumann nahm Verbindung auf und es kam zu einem ersten Treffen. Es wurden Waren aus Plauen, die im Überfluss vorhanden waren, mitgenommen. Gestern waren Frederike Eisenkolb, Inhaberin des Geschäftes "Gewissensbisse" und ihre Marketingmitarbeiterin Marlen Preßler zu einem Arbeitsbesuch in Plauen. Sie besichtigten die Lager und unterhielten sich mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Tafel Plauen. Sie erfuhren, dass hier, wie auch in der Tafel-Außenstelle in Auerbach, ein Bezugsschein vorgelegt werden muss. Nur dann können Bedürftige Waren besonders günstig kaufen oder kostenlos erhalten. Das sei in Lengenfeld anders. "Zu uns kann jeder kommen, der zum Lebensmittelretter werden will." In wenigen Tagen werden die Lengenfelder in ihrem Geschäft auf die Tafel in Plauen hinweisen. Viele Menschen hätten nach Kleidung gefragt. "Dafür ist unser Geschäft viel zu klein, aber wir werden Plauen empfehlen."
Man werde jetzt häufiger Kontakt aufnehmen und Produkte tauschen. Gestern nahmen sie Bücher, Kartoffeln, Keks-Backmischungen sowie Obst und Gemüse mit. Die Plauener erhielten dafür im Gegenzug Brot- und Bratlingsmischungen, Geflügelfond und viele andere nützliche Waren. Man wolle den Kontakt pflegen und ein Netzwerk aufbauen, war von beiden Seiten zu hören. In Plauen, wie auch in Lengenfeld werden keine Waren aus Privathaushalten angenommen. "Wir müssen garantieren, dass Lagerung und Kühlkette in Ordnung waren", ließ Frederike Eisenkolb wissen. Ausgenommen davon seien in Plauen die Dinge in der Kleiderkammer, die zurzeit bestens mit Frühlingsmode gefüllt ist, gab Eva Hengst zu verstehen. Sie ist Mitarbeiterin in der Kleiderkammer und hofft nun auch auf mehr Kundschaft aus der Lengenfelder Gegend.