Hilfe, der Borkenkäfer fliegt

Der Wald bekommt Löcher. Im Grün bilden sich braune Inseln abgestorbener Bäume - das Werk des Borkenkäfers, der sich extrem vermehrt. Das Holz muss raus. Aber wohin mit dem Schadholz beim Überangebot auf dem Markt? Professionelle Hilfe bieten vogtländische Forstgemeinschaften an.

Von Renate Wöllner

Tirpersdorf/Juchhöh - Die Aussicht von der Juchhöh bei Droßdorf ist bestechend - auch auf das Waldstück in nördlicher Richtung, das sichtbar vom Borkenkäfer gezeichnet ist. Die weite Fläche, die zum Betriebsgelände der Aproha GmbH gehört, hat den Vorteil, dass sie gut mit Lkw befahrbar ist, sagt Karsten Scharschmidt, der Beratungs-Revierleiter der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Elstergebirge-Göltzschtal, deren Sitz in Kottengrün ist.
350 Festmeter aufgearbeitetes Sägeholz und 50 Festmeter Holz für die Paletten-Produktion sind gestapelt, Holz, das so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden musste, damit der Käfer nicht ausfliegt und weitere Stämme befällt. Neben dem Staatsbetrieb Sachsenforst mit seinen Förstern unterstützen die Forstbetriebsgemeinschaften die Waldbesitzer. Sie organisieren und koordinieren für ihre Mitglieder eigentumsübergreifend Forstarbeiten und Waldpflege sowie die Aufarbeitung und den Verkauf von Schadholz.
Es war nicht einfach, eine geeignete Lagerfläche zu finden, berichtet FBG-Geschäftsführer Jens Busch. Befallene Stämme müssen mindestens 500 Meter vom nächsten Wald entfernt abgelegt werden. Das sei nicht so leicht im Vogtland. Die Aproha war einziger Anbieter. Der Landwirtschaftsbetrieb erhält Pacht für die Fläche, die Forstbetriebsgemeinschaft eine Förderung vom Sachsenforst von vier Euro pro Festmeter.
"Es gibt schon wieder 30 Anzeigen von Waldbesitzern, die ihr Schadholz loswerden wollen", erzählt Scharschmidt. Es handle sich um eine Menge von 5500 Festmetern, die aufgearbeitet, gelagert und ins Sägewerk im thüringischen Friesau transportiert werden muss - organisiert von der FBG, deren Hilfe besonders für Waldbesitzer mit kleineren Flächen vorteilhaft sein kann. Aufgrund des Überangebots seien die Holzpreise in den Keller gefallen. "Die Waldbesitzer können froh sein, wenn sie mit einer schwarzen Null herauskommen", sagt Scharschmidt.
Ursache der Misere seien die Dürresommer 2018 und 2019, die bei großem Mangel an Niederschlägen ideale Bedingungen für die Käfervermehrung boten. Auch wenn das erste Halbjahr 2020 kühler und niederschlagsreicher war, seien die Schäden extrem hoch und viele Waldbesitzer mit der Situation überfordert.
Beim Waldumbau seit 25 Jahren hin zum Mischwald sind etwa zehn Prozent erreicht, schätzt der Revierleiter ein. Hauptholzart bleibe nach wie vor die Fichte - ausgerechnet die flach wurzelnde Holzart, die besonders vom Trockenstress betroffen ist. "Als Bauholz ist die die Fichte, hoch und gerade in ihrem Wuchs, unverzichtbar, genauso wie für die Zellstoffproduktion", sagt Scharschmidt. "Probleme hat jede Baumart", fügt Busch hinzu, "wir wissen manchmal nicht, was wir nachpflanzen sollen".
Laubholz wurde dieses Jahr durch die späten Fröste im Mai geschädigt. Das konnte durch den Johannistrieb im Juni nur zum Teil ausgeglichen werden, "der Jahreshaupttrieb fehlt".
Im Waldgebiet Kulm bei Oberlosa führen Wege, gesäumt von Waldweidenröschen, durch eine idyllische Landschaft. In der Sonne reifen Brombeeren, Hummeln brummen. Mittendrin recken hochstämmige Fichten, etwa 80 Jahre alt, ihre braunen Äste in den blauen Himmel. Schadholz liegt auf dem Waldboden. Mit dem Aufräumen kam der private Besitzer nicht nach. Scharschmidt tritt an einen der Bäume heran und zeigt die feinen Stiche, welche der Borkenkäfer, der auch Buchdrucker oder Kupferstecher genannt wird, hinterlassen hat. Der Förster zückt die Farbdose und sprüht ein großes, rotes "K" auf den Stamm.