Hexen schlagen Alarm

Ohne Weberhäuser hätte die Elsteraue ganz gewiss nicht mehr das Flair, das heute Besucher aus nah und fern magisch anzieht. Doch die Hexen des Unikat-Vereins suchen vergeblich nach der Zauberformel, um personelle Lücken zu schließen. Und denken auch schon ans Aufhören.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Mittlerweile fast täglich wünscht sich Margitta Schier, die seit 20 Jahren mit ihren Mitstreiterinnen und Helfern die Weberhäuser zu dem gemacht hat, was sie heute sind, das sie wirklich hexen kann. "Wir brauchen ganz dringend personelle Unterstützung, denn mit 3,5 hauptamtlichen Mitarbeitern, von denen derzeit zwei krank sind, können wir unsere handwerklichen Projekte   für Kindergärten und Schulenklassen nicht mehr stemmen. Wenn wir die Qualität aufrechterhalten wollen, muss qualifiziertes junges Personal her. Und dafür braucht es Geld. Die meisten die bislang mitarbeiten sind Ehrenamtler und Minijobber. Wenn uns die Stadt nicht unterstützt, wird es die Weberhäuser so nicht mehr geben", sagt die 69-Jährige voller Wehmut. Vor 20 Jahren gehörte sie zu den vier Frauen, die die geschichtsträchtigen Häuschen als Keramik- und Holzwerkstatt wieder belebten, obwohl sie andere Eigentümer haben. Ein Besitzer baute sein Haus aus, so dass es als Filzwerkstatt genutzt werden kann. 2002 wurde dann der Unikat-Verein gegründet. Im gleichen Jahr nutzte die erste Schulklasse das Angebot und war begeistert. "Mit der Elsteraue-Förderung, die von 2003 bis 2006 lief, hatten wir eine sichere finanzielle Basis und auch ein fünfköpfiges Team. Nach dem Auslaufen des Programms sprang die Stadt in die Bresche. Damals mit 30 000 Euro jährlich, aktuell sind es 37 000 Euro. Seit 2012 gibt es auch Geld vom Kulturraum Sachsen. Doch insgesamt ist das etwa die Hälfte, die wir wirklich an Mitteln bräuchten. Denn gefördert wird die Arbeit mit den Kindern, aber nicht alles andere. Dabei schaffen wir für die Stadt ein touristisches Highlight, und der Name Weberhäuser ist über Besucher bis hin nach China bekannt. Mit den Festen erwirtschaften wir das nötige Geld, um überleben zu können", schildert Margitta Schier. 
 2000 Mädchen und Jungen kommen jährlich zu Projekten in die Weberhäuser, Tendenz steigend. "Inzwischen sind es schon die Kinder der Kinder, die uns zuerst besuchten. Rechnet man noch die Erwachsenen hinzu, die auch Angebote wahrnehmen können, dann sind wir schon bei der dritten Generation", sagt sie und nennt auch einen Brief, den der Verein an die Stadt geschrieben habe: "Wir möchten, dass die Häuser, für den es einen 30-Jahre-Pachtvertrag gibt - 20 sind schon um - von der Stadt kauft werden. Das würde uns auch Planungssicherheit geben. Zwar haben wir ja seit 2017 über einen Erbpachtvertrag auch den Handwerkerhof, aber die wiederbelebten Weberhäuser, die damit Motor zur Entwicklung der Elsteraue wurden, gehören einfach dazu. Wir haben viele Visionen auch zur Gestaltung der Gärten. Wir können alles, aber nicht zu dritt. Wenn wir acht Leute wären, gebe es eine Überlebensgarantie". Gefreut habe sie sich über einen Gast der sagte, "Ihr seid wie die Freie Republik Christiana in Dänemark", da habe sie gleich ein Schild "Freie Hexenrepublik" gemalt. "Es ist ja auch ein schönes Fleckchen Plauen hier. Und mit dem Weißbachschen Haus, den Kreativ-Werkstätten in der Hempelschen Fabrik, den Weberhäuseren und unserem Handwerkerhof wird das ein einmaliges Ensemble", schwärmt sie.
 Heute soll mit Handwerkern und fleißigen Helfern Richtfest am Handwerkerhof gefeiert werden. Inzwischen ist nach der Backstube, die schon in der Adventszeit erstmals ihre Türen öffnete, die Drechsler- und Holzwerkstatt, die von Drechsler Steffen Laudel geführt wird, schon weit vorangekommen. Auch die Kindergalerie, die als Ausstellungsraum und als Kleinkunstbühne dienen soll, ist zu erahnen. Platz gibt es auch für das historische Klassenzimmer, das bis 2006 im einstigen Kutscherhaus zu finden war. Und im Turmhaus soll eine Druckerei, ausgestattet von der Druckerei Simon, und eine kleine Buchwerkstatt, entstehen. Gebaut wird auch ein Sanitätstrakt. "Wenn alles gut läuft, können wir Weihnachten den Handwerkerhof nutzen", sagt Margitta Schier.