Herzliche Sticheleien

Bad Elster - Eine stimmungsvolle Komödie, dargeboten vom berühmten Ohnsorgtheater Hamburg, stand zu Silvester auf dem Programm im König Albert Theater in Bad Elster.

 

"Der arme Ritter" lautete der Titel des Stücks aus der Feder von Stefan Vögel und war - gleichermaßen mit Heiterkeit als auch großer Tiefgründigkeit gewürzt - ein anrührendes und unterhaltsames Bühnenspektakel. Als sich der Vorhang im fast ausverkauften Theater öffnete, gab er den Blick frei in ein Zimmer der Altersresidenz "Freudenau", in der sich die Senioren Elisabeth, Norbert und Franz regelmäßig immer sonntags bei Ritter Ludwig von Schwitters treffen, um bei einem gemeinsamen Spiel ein bisschen Abwechslung zu finden und der alltäglichen Eintönigkeit zu entfliehen.

Doch beim gemeinsamen Zeitvertreib kommt es, den Eigenheiten und Schrulligkeiten der alten Herrschaften geschuldet, in der Runde auch nicht selten zu kleinen Querelen und stichelnden Disputen, welche aber der festen Freundschaft des Quartetts nicht gefährlich werden können. Harsch und herzlich sind die Sticheleien zwischen dem alten gebildeten Schulmeister von Schwitters (Wilfried Dziallas), der fremdsprachige Zeitungen liest, dem senilen Franz Josef Lohse (Wolfgang Sommer), dem ehrgeizigen Bahnhofsvorsteher im Ruhestand Norbert Klinke (Peter Wohlert) und der sanftmütigen, charmanten Elisabeth Kerr (Edda Pastor) und führten hinreichend zu Lachsalven im Publikum.

Letztere hegt für den "armen Ritter", den vom Leben enttäuschten von Schwitters, der nach mehreren Entgleisungen in jungen Jahren nun leidet, weil er keinen Kontakt mehr zu seiner einzigen Tochter Franziska hat, weit mehr als nur Sympathie. Zudem belehrt in resoluter Manier zwischendurch außerdem Schwester Isolde (Tanja Kleine) die quirlige Seniorenrunde und serviert medizinische Tinkturen.

Ein willkommeneren Luxus leistet sich Schulmeister von Schwitters jeden Sonntag und lässt sich sein Mittagessen aus dem Gasthof anliefern. Der Lieferant, ein Medizinstudent, ist ihm fast schon zu einem guten Freund geworden, als seinen Botengang plötzlich die junge Mutter Paula Dittmer (Birte Kretschmer) übernimmt. Schon bei der ersten Begegnung, bei dem das Mädchen ohne Schulabschluss dem ehemaligen Schulmeister Wiener statt Pariser Schnitzel bringt, prallen Generationskonflikte aufeinander. "Typisch, zu dämlich für das Einmaleins, aber sobald sie wissen, wie der Stecker in die Dose passt, haben sie schon einen Braten in der Röhre", definiert von Schwitters das Paradebeispiel der Jugend von heute. "Sie sind ja ein widerlicher Mensch" entgegnet ihm Paula garstig.

 

Doch sie lässt sich von seiner unfreundlichen und abweisenden Art nicht abschrecken und nach und nach findet auch Ludwig von Schwitters großen Gefallen an der wissbegierigen und lernfreudigen Paula, die vor allem ihrer kleinen Tochter einen guten Start ins Leben ebnen möchte. Und sie schafft es, mit Hilfe seiner Freunde aus der Seniorenresidenz, nicht nur eine fröhliche Party zum 75. Geburtstag für den "armen Ritter" zu gestalten, sondern auch wieder einen Kontakt zu seiner Tochter herzustellen.

Feinsinniger Humor und redliche Denkanstöße, sich auch einmal Fehler im Leben einzugestehen und auf den anderen zuzugehen, waren in der Komödie auf gelungene Weise verknüpft und motivierten vielleicht sogar den einen oder anderen die guten Vorsätze für das neue Jahr Wirklichkeit werden zu lassen.   Steffen Adler