Herzen schlagen für Weisbachsches Haus

Die Zeit der Unschlüssigkeit scheint vorbei. Mehrheitlich zeigten sich am Montag die Mitglieder des Stadtbau- und Umweltausschusses sehr angetan vom Weisbachschen Haus als Standort des künftigen Spitzenzentrums.

Plauen - Lange Zeit schien es zum Standort am Oberen Graben als künftigem Spitzenzentrum keine Alternative zu geben. Nach einem Architektenwettbewerb waren die meisten Stadträte von der Eignung der Fläche überzeugt - bis das Weisbachsche Haus am Mühlgraben in die Debatte kam. Jene, die für eine unabhängige Machbarkeitsstudie plädierten konnten sich durchsetzen, und nun liegt sie vor. Architekt Bernd Müller von der Bauplanung Plauen stellte sie am Montag vor. Den größten Trumpf des Weisbachschen Hauses stellt die nach entsprechenden Umbauarbeiten zur Verfügung stehende Fläche dar: Rund 4800 Quadratmeter, nach einem zweiten Bauabschnitt könnten die sogar auf 6500 Quadratmeter anwachsen.

Damit kann der Standort Oberer Graben nicht konkurrieren - bei maximal 3450 Quadratmetern wäre die Fläche in jeder Hinsicht ausgereizt. Auch die Zweifel, ob sich die schweren Stickmaschinen überhaupt mit der Statik des Weisbachschen Gebäudes "vertragen" würden, scheinen ausgeräumt: Die würden im geplanten Neubau installiert. Attraktiv auch die Idee, den Mühlgraben zu überbauen und so eine Anbindung an die Altstadt zu schaffen. Während im Erdgeschoss verschiedene Verkaufsbereiche Platz finden würden, bliebe das über Treppen beziehungsweise Aufzug zu erreichende erste Obergeschoss den Ausstellungsexponaten vorbehalten; im zweiten Obergeschoss könnten Büro- und Multifunktionsbereiche untergebracht werden. Touristenbusse würden über die Böhlerstraße den Komplex erreichen, die Besucher durch eine Parkanlage zum Haupteingang gelangen. Für private Fahrzeuge stünden rund 70 Parkplätze zur Verfügung.

Müller machte zudem darauf aufmerksam, dass ein Drittel des Gebäudes bereits saniert sei. Berechnungen des Archtitekten zufolge beliefen sich die Kosten für den Standort Oberer Graben auf etwa 7,8 - die des Weisbachschen Hauses auf etwa 8,5 Millionen Euro. Die Differenz, so Stadtrat Dieter Rappenhöner optimistisch, könne man über Fördermittel für Denkmalschutz wettmachen. Geradezu euphorisch lobte Stadtrat Klaus Jäger (Linke) die Studie. "Ich bin begeistert, auch mit Blick auf die Gesamtentwicklung des Areals und der Stadt", so Jäger.

Selbst Rainer Kett, Vorstandsvorsitzender des Innovationszentrums für Stickerei und lange Verfechter des Oberen Grabens, scheint nun samt seinem Verein bekehrt. "Als Innovationszentrum kann ich mit beiden Standorten leben." Und weiter: "Wenn wir als Betreiber aktiv würden, muss es natürlich ein stimmiges Finanzierungskonzept geben." Kett fügte an, dass der Architekturwettbewerb für den Oberen Graben mit der Gründung des Innovationszentrums zusammenfiel. "Da war alles bissel mit der heißen Nadel gestrickt." Der Nachweis, dass ein Spitzenzentrum auch im Weisbachschen Haus funktioniere, sei erbracht. Eine Entscheidung über den Standort sollen die Stadträte im dritten Quartal fällen, sagte Bürgermeister Uwe Täschner am Montag auf Nachfrage.