Heroin siegt über Legende

Mit einer berührenden Hommage erinnerten die beiden Schauspielerinnen und Sängerinnen Sybille Kreß und Elena Weber im König Albert Theater an die Rock- und Blues-Ikone Janis Joplin.

Von Steffen Adler

Bad Elster In außergewöhnlich szenischer Performance schlüpften sie wechselseitig in die Rolle der Ausnahmemusikerin und brachten den rund 200 Zuschauern das von einer inneren Zerrissenheit geprägte Leben der Janis Joplin näher. Dazu interpretierten sie begleitet von der Live-Band stimmlich und musikalisch sehr authentisch zahlreiche Songs der Sängerin, die mit Hits wie "Peace of me Heart" und "Me and Bobby McGee" sowie "Down on me" und "Mercedes Benz" berühmt wurde.
In einer Inszenierung von Nina Lorenz stand die lebendige Musik sehr kontrastreich zur bizarren Persönlichkeit der Sängerin im Mittelpunkt. Janis Joplin wurde 1943 als Tochter von Seth Ward Joplin geboren. Ihre Mutter hatte selbst eine Gesangsausbildung, arbeitete aber als Büroangestellte. Während ihr der Vater empfahl, viel zu lesen wandte sich ihre Mutter eher gegen die Blues- und Folk-Musik, die Janis für sich entdeckt hatte und fokussierte das Talent ihrer Tochter auf das Zeichnen, auf das diese mit Bildern von nackten Menschen rebellierte.
Als Jugendliche litt Janis Joplin an Übergewicht und Akne, worauf sie von Mitschülern als "Freak" und "Niggerliebhaber" verspottet wurde. "Ich war ein Außenseiter. Ich habe gelesen, ich habe gemalt, ich habe nachgedacht. Ich habe Nigger nicht gehasst", sagte Janis Joplin über sich selbst. Schon in ihrer Jugend suchte sie mit Alkohol und Zigaretten, aber auch harter Sprache nach Akzeptanz unter den Gleichaltrigen.
Nach Abschluss der High School 1960 entschied sie sich zunächst für ein Kunststudium. Mit Vorliebe hörte sie Musik der Bands im nahe gelegen Louisiana, wo sie als Kellnerin arbeitete hat, im Stil von Blues und Folk. Inspiriert durch Schallplatten verschiedener damaliger Sänger und ihrem größten Vorbild, der Bluessängerin Bessie Smith, entwickelte Janis Joplin autodidaktisch einen eigenen, bis dahin für eine weiße Sängerin einzigartigen musikalischen Stil mit dem sie zur "Queen des weißen Bluesrock" aufstieg. So zog es sie auch bald nach Austin, das als Musik-Mekka bekannt war. Dort begegnete sie dem kalifornischen Konzertveranstalter und Hippie-Aktivist Chet Helms, der ihr als Manager der amerikanischen Band Big Brother and the Holding Company mitteilte, dass diese eine Sängerin sucht. So begann schließlich in San Francisco Joplins Karriere als Sängerin der Band, mit der sie 1967 erfolgreich beim Musikfestival Monterey Pop auftrat und danach einen Plattenvertrag bei Mainstream Records erhielt.
Von der Kritik umjubelt, eine der ganz Großen zu werden, stoppte allerdings ihr Drogenkonsum und ihre Alkoholsucht immer wieder ihre musikalische Karriere. Es folgte bald ein zweites Album bei Columbia Records, das Albert Grossmann, einer der führenden Akteure im Musikbusiness jener Zeit mit einen lukrativen Plattenvertrag ermöglichte. Um sich selbst neue Musikrichtungen zu erschließen stellte Joplin eine größere Band zusammen, die nach ihrem dritten Album Kozmic Blues Band benannt wurde. In einer nur kurzen Existenz der Band war ihr bekanntester Auftritt im Jahre 1969 beim Woodstock-Festival. Bei diesem Auftritt war Joplin stark alkoholisiert und litt offenbar auch unter stimmlichen Problemen, so dass sich ihre Plattenfirma zunächst weigerte, diesen Auftritt filmisch zu dokumentieren. Die Aufnahmen wurden dann auch erst viele Jahre später veröffentlicht. Mit ihrem Stil wurde Joplin sogar Verrat an den Idealen der Rockmusik vorgeworfen, vermutlich auch auf Grund ihrer Sympathien für die Hippiebewegung, ihrem unbürgerlichen Verhalten und ihren Rebellionen gegen gesellschaftliche Auflagen. "Auf der Bühne sag ich was ich will und wenn ich dafür verhaftet werde, dass ich einen Haufen Kids antörne - meinetwegen", lassen Sybille Kreß und Elena Weber emotional das Leben und die Gefühle der Hippie-Ikone noch einmal aufleben, die eine ganze Generation prägte und nach offiziellen Angaben am 4. Oktober 1970 im Alter von nur 27 Jahren an einer Überdosis Heroin starb. Nach fast zwei Stunden gab es für die beiden Künstlerinnen und ihre Live-Band Standing Ovations aus den Reihen des Publikums.