Helge Schneider kommt gern wieder nach Plauen

Der Meister ruft, und die Leute kommen in Scharen.

So geschehen am Samstagabend im Plauener Parktheater, wo Helge Schneider und seine Mannen auch beim vierten Plauen-Besuch viele, viele begeisterte, fröhliche, bisweilen auch andächtig lauschende Gäste vorfanden.

 

Denn es bleibt weiterhin so, dass sich die Geister darüber streiten, ob Helge denn nun in erster Linie ein schräger Vogel ist, der es perfekt versteht, lustige Geschichten zu erzählen, oder aber doch vor allem ein brillanter Musiker.

 

Für Letzteres hat Schneider aber auch wieder ein Team der Extraklasse zusammengestellt: Allen voran Schlagzeuger Pete York, der als einer der Besten seines Fachs in den Bereichen Rock, Jazz und Blues gilt, einst bei der Spencer Davis Group seine Erfolgsgeschichte startete und in Deutschland mit seiner ZDF-Serie "Super Drumming" bekannt wurde.

 

Dazu Sandro Giampiedro, dessen E-Gitarre auch Töne fernab eines "E" serviert, Jochen Bosak am Klavier und Rudolf Olbrich, der über zwei Stunden lang am Kontrabass steht und mit diesem "Ton für Ton der Grube näher rückt", wie Schneider feststellt. Ein zweiter Kontrabass hatte sich in Reihe zwei unter die Zuschauer gemischt, wirkte da allerdings etwas deplatziert.

Bei Schneider gibt es von der ersten Sekunde an keine Fragezeichen, er singt, spielt, tanzt und erzählt sich in spielerischer Leichtigkeit durch den Abend, karikiert in wunderbarer Weise die Armseligkeit eines Großteils des Entertainments, verteilt charmant Komplimente ans Publikum und schlägt - meist nur verbal - auf die "alten Säcke" seiner Band oder Teekoch Bodo Oesterling ein. Sergej Gleitmann, auch ein alter Gefährte Schneiders, tanzt wild über die Bühne, treibt öffentlich Sport, oder mimt eine Katze - kein Auge bleibt trocken.

"Plauen ist eine sehr schöne Stadt", sagt Schneider, aber: "Man kann sagen, die schönste Stadt der Welt - ist es nicht." So schön aber immerhin, dass es sich auch für ihn lohnen würde, hier einmal sechs Wochen Urlaub zu verbringen, an dem schönen Abhang, rechts neben den Zuschauerreihen, der es Schneider offenbar sehr angetan hat, so dass dieser Abhang immer wieder ins Programm einbezogen wird.

 

Dass Schneider nicht zum ersten Mal in Plauen ist, weiß er wohl. Und er ist vorbereitet, was kurz vor der Pause klar wird: "Nach dem nächsten Lied machen wir eine Pause, aber nur ganz kurz, weil wir können heute nicht so lang machen, weil hier wohnt einer, der sich immer beschwert." Das Publikum tobt.

Zu Beginn des zweiten Teils erscheint Helge Heesters-like in weißer Jacke, überreicht "Hunderttausend Rosen" an die schönste Frau im Leben eines Mannes: die Schwester. Und tatsächlich gibt es ganz am Schluss nur noch eine "ganz leise Zugabe am Klavier, sonst kommt der noch . . ." Aber Helge verspricht: "Wir kommen wieder. Auf alle Fälle." So blieb nur eine Frage im Parktheater unbeantwortet: Was wollte dieser Kontrabass in Reihe zwei? S. B.