Helge auf Plaumenmus-Tour

Weder das Outfit noch irgendein Text weisen auf den Tourneetitel "Pflaumenmus" hin. Ganz weit gefasst lautet die Interpretation: Die alte Pflaume Helge hat jede Menge unterhaltsamen Mus zubereitet, der begeistert verzehrt wurde.

Von Udo Hentschel

Zwickau  Deutschlands wohl lustigste Bühnenfigur und zugleich irrigstes Musikgenie musizierte, sinnierte, tanzte und entertainte. Helge Schneider bewies am Samstag auf der Freilichtbühne am Zwickauer Schwanenteich, wie spontan Klamauk, Witze jenseits des Schöngeistigen, Ironie und brillante Jazzmusik verbunden werden können. Vor über 2500 Zuschauern bot der Mühlheimer rneut eine unvergessliche Show. Mit dabei alte Bekannte wie Teekoch Bodo und Sergej Gleitmann, der diesmal Geige spielen durfte. Thomas Alkier am Beat- und Jazz-Schlagzeug kommt vor Lachen kaum zum Trommeln, und wenn, dann mit Extraklasse. Ernst und konzentriert der Blues-Gitarrist Henrik Freischlader und Bassist Ira Coleman. Gleich fünf gefeierte Auf- und Abgänge hat Calite aus Caracas bei "Lonly Pony". "Den hab‘ ich extra für euch einfliegen lassen. Ist der nicht toll!?" Musikalisch mit einer Art indischen Tröte und später am Saxophon. Und neben Jazz vom Feinsten brilliert Schneider natürlich mit seinem endlosen Sinnieren über Sinnhaftes und Sinnloses: Eigenkompositionen von jemand ganz anderem, großer Zwei-Länder-Tournee durch die Niederlande, Holland und Belgien und dass er Chinesisch könne: Nr. 43, und dass ein iPod wohl doch kein Eierkocher sei. Er erklärt, dass der Promi-Neid von Night of the Proms kommt und Alkohol eine gefährliche Sache sei. Da trinke einer ein Bier und hat dann eigentlich doch schon zwei.

Mit mehr oder weniger skurrilen Bewegungen und Tönen erklingen hauptsächlich Titel seines neuen Albums "Partypeople (Beim Fleischer)" - die meisten vorab witzig anmoderiert oder mitten im Stück unterbrochen von lapidar daherkommenden Geschichten. Bei "Dance To The Music" versucht Helge den Gleithmann. In der "Wundertüte" liegt ein A60-Zettel mit dem Aufdruck "Niete", der "Politsong" glänzt mit der Zeile "People in the world will understand, Trump, Trump, Trump!" und Rockermähne-Perücke a la Woodstock. Bei "Partypeople" geht er nackt in die Disco, um zu zeigen: Schaut endlich nicht auf Labels, sondern beachtet den Menschen!

Nochmal erklingt "Partypeople", wobei Helge die Frage stellt: "Wo ist die Party?" und das Rund geschlossen der Meinung ist: "Hier ist die Party!" Jawoll! Aber nach fast drei Stunden heißt's dann doch "war die Party".