Helferteams leisten tolle Arbeit

Die am Donnerstag bei Bauarbeiten an den Schlossterrassen entdeckte amerikanische Fliegerbombe war Auslöser für eine der größten Rettungsaktionen Plauens in jüngerer Vergangenheit. Anlaufpunkt für viele der 4000 Menschen, die ab 19 Uhr in einem Radius von 500 Metern um den Bombenfund evakuiert werden mussten, fanden in der Festhalle bis 2 Uhr morgens vorübergehendes Obdach.

Von Frank Blenz

Plauen - Der große Saal voller Feldbetten. Auf dem Platz vor der Festhalle dicht an dicht Einsatzwagen der Polizei, Rettungswagen, ein mobiler Versorgungsstand. Einsatzkräfte wuseln hin und her, telefonieren, Führungsrteams besprechen das weitere Vorgehen. Drinnen in der Halle zahlreiche Menschen - die einen eher still, andere leicht "überdreht", man spricht sich gegenseitig Mut zu. Ein ganz klein wenig erinnern die Feldbetten in der Festhalle, die darauf sitzenden oder liegenden Menschen an einen Katastrophenfilm.
Doch der Bombenfund erinnert vor allem die alten Plauener an die schlimmen Ereignisse von 1945, denn auch die 50-Kilo-Bombe, die am Nachmittag an den Schlossterrassen gefunden wurde, stammt aus jener Zeit. Es war übrigens die 68. Bombe, die seit 1979 gefunden wurde. "Bis zum späten Abend waren etwa 80 Prozent der Betroffenen evakuiert", sagt Silvia Weck, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, die im Team der Helfer und Einsatzkräfte mitwirkt. Es ging auf 22 Uhr, bald darauf kann Vollzug gemeldet werden. Krankenwagen und Einsatzfahrzeuge brachten vor allem ältere Bürger aus Seniorenheimen und Wohnungen in Sicherheit. Aber auch junge Menschen harrten hier aus. Laura Sarfelt und Lisa Börner aus Plauen hatten sich den Tag anders vorgestellt. Sie sind in der Rosengasse zu Hause, im Radius der Evakuierungszone.. "Wir mussten da raus und wussten nicht gleich wohin, nun sind wir in der Festhalle gelandet", berichtete Laura. "Wenigstens haben wir die Zeit ein wenig verkürzt, weil wir auf den Rummel sind, der gleich nebenan offen hat", sagten die zwei Plauener. 
Für Ronny Bley, Chef der Festhalle, war es der dritte Einsatz in Sachen Bombenfund. "Zwei Mal war unsere Halle Evakuierungsort wegen Funden im Reusaer Wald, diesmal ist die Aufgabe noch eine Nummer heftiger", sagt Bley. Doch für die Menschen ist gut gesorgt. Marcel Zumpe, Gruppenführer Verpflegung der Johanniter, hat mit seinem halben Dutzend Helfern allerhand zu tun. "Wir bieten den Leuten kalte und warme Speisen, Getränke, Kaffee", so Zumpe. Dankbar wird das Angebot von Bürgern und Einsatzkräften genutzt. Es wird Mitternacht, die Bombe in der menschenleeren Innenstadt ist von den Experten des Kampfmittelräumdienstes noch nicht entschärft. Das Vorhaben gelingt auch nicht, es wird entschieden, die Bombe an einen anderen Ort zu transportieren, was Fragen aufwirft, eine scharfe Bombe quer durch die Stadt zu fahren. "Der Sprengmeister hat so entschieden", informiert Pressesprecherin Weck. Nach zwei Uhr wird bekanntgegeben, dass die Evakuierung aufgehoben ist. Die Festhalle leert sich. Ein Nachtbus und die Einsatzwagen bringen die erleichterten Bürger nach Hause. Auch bei den Einsatzkräften macht sich Erleichterung breit. "Es war wunderbar, wie hier zusammengearbeitet wurde, wie die Leute zugange waren", zieht Weck ein Fazit. Exakt 12.52 Uhr am Freitag, wurde die Bombe in einem Waldgebiet von Zwoschwitz kontrolliert gesprengt.

Zeit-Ticker

19 Uhr: Beginn der Evakuierung in 500-Meter-Radius, betroffen sind 4000 Menschen
21.08 Uhr: Das Altenheim am Komturhof ist geräumt.
21.29 Uhr: 80 Prozent der Betroffenen sind evakuiert.
22.45 Uhr: Die Evakuierung ist beendet, Robert Ludewig vom Kampfmittelbeseitigungsdienst wird mit der Entschärfung beginnen.
1.37 Uhr: Es stellt sich heraus, dass die 50-Kilo-Bombe vor Ort nicht entschärft werden kann.
10.30 Uhr: Die Bombe hat die Nacht "unbeschadet" überstanden. Die Bombe wird im Waldgebiet um den Plauener Ortsteil Zwoschwitz gesprengt werden. Bevor die Sprengung beginnt, wird der Polizeihubschrauber das Gebiet noch mit Wärmebildkamera abfliegen, um abzusichern, dass sich keine Personen hier aufhalten.
11 Uhr: Die Sperrung der Straße von Kauschwitz nach Schneckengrün ist eingerichtet.
12.52 Uhr: Die Bombe wird erfolgreich gesprengt.
Beteiligt sind 70 Kameraden der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehren, 107 Angehörige der Polizei, 80 Einsatzkräfte mit Rettungs- beziehungsweise Krankentransportwagen, 80 städtische Mitarbeiter.