Helfer bitten um Hilfe

Der Maschinenring Vogtland unterstützt Bauern in Not - seit 30 Jahren. Jetzt appelliert der Verein in eigener Sache an die Politik.

Oelsnitz/Markneukirchen -  Die Politik möge ein Gesetz beschließen, wonach es Mitgliedern des Maschinenringes wieder gestattet wird, Arbeitskräfte untereinander auszutauschen. Diesen Wunsch äußerte Siegbert Jacob, Landwirt aus Markneukirchen, als er die vogtländische Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas (CDU) und andere Vertreter der (Lokal)Politik auf seinem "Gläsernen Bauernhof" im Ortsteil Siebenbrunn begrüßte. "Diese Arbeitnehmerüberlassung ist im Augenblick nicht gestattet. Aber anders ist der Einsatz von Großgeräten, wie einem 450.000-Euro-Mähdrescher, wirtschaftlich nicht sinnvoll."
Jacob hatte die Gäste eingeladen, um über den Maschinen- und Betriebshilfsring Vogtland (MBRV) sprechen, einen Verein, an dessen Spitze er vor kurzem vom Treuener Landwirt Gerald Seitz als Vorsitzender abgelöst wurde: Die Betriebshelfer des Maschinenrings springen in Landwirtschafts-, Gartenbau und Forstbetrieben ein, wenn Not am Mann (oder der Frau) ist - siehe Info-Kasten.
Nach den Worten von Landrat Rolf Keil sind 90 Prozent der deutschen Gesetze für die Industrie gemacht; die Autoindustrie beispielsweise habe eine Riesenlobby, sagte er. "Aber diese Gesetzgebung passt oft nicht zur Landwirtschaft, die einen anderen Rhythmus hat - wegen des Wetters, wegen der Tiere, wegen der Arbeitszeiten."
Nach Angaben des CDU-Europaabgeordneten Dr. Peter Jahr wird es von der EU künftig nicht mehr Geld für die Landwirtschaft geben. Es sei ein Erfolg, dass die Summe fürs Erste gleich bleibe. Er sprach sich für eine Stärkung der Maschinenringe aus.
Jacob brach eine Lanze für seinen Berufsstand: Bauern müssten Allrounder sein und überall eine gute Figur machen: "In Gummistiefeln auf dem Feld, mit Mistgabel im Stall - und am PC im Büro: Landwirt, Tierwirt, Kaufmann, IT-Fachmann - was soll der Bauern noch können?"
Und dabei werde die Bürokratie immer schlimmer: Jacob sprach die komplizierte Beantragung von Fördermitteln an - und die nötige Vorfinanzierung. "Wer sich die leisten kann, braucht keine Fördermittel, und die anderen bekommen sie nicht."
Angesprochen wurde auch das Problem der Erneuerbaren Energien. "Insbesondere der Bau von Solaranlagen ist Jacob ein Dorn im Auge, wenn dieser auf landwirtschaftlichen Flächen erfolgt. "Warum werden nicht die Supermärkte verpflichtet, solche Anlagen auf ihren Dächern zu errichten?", fragte er. "Der landwirtschaftliche Boden ist dafür zu schade."
Frau Magwas zufolge geht der Bund mit gutem Beispiel voran: Künftig werden die Dächern der Autobahnmeistereien (die zur neuen Autobahn GmbH gehören) zur Erzeugung von Solarstrom nutzen. Sie berichtete auch von den Anstrengungen ihrer Partei, die Belange der Landwirte im Ringen um ein neues Bundesnaturschutzgesetz zu berücksichtigen.
Landrat Keil zeigte sich optimistisch, dass Frau Magwas auch nach der Bundestagswahl im September das Vogtland in Berlin vertritt - und dass die Union an der Macht bleibt. Anders ist seine Äußerung nicht zu verstehen: "Yvonne" werde die Wünsche der Landwirte in den (neuen) Koalitionsvertrag hineinschreiben. ufa

Info-Kasten: Der Maschinen- und Betriebshilfsring

1991 hatten 26 Landwirte, meist aus dem Auerbacher Raum, den MBRV gegründet. Heute zählt der Verein 277 Bauernbetriebe im Vogtlandkreis und im Zwickauer Land. Die Mitglieder verfügen über Flächen zwischen 3 und 1500 Hektar.
Die zwölf in Vollzeit beim MBRV angestellten und ein halbes Dutzend weitere nebenberufliche Betriebshelfer springen in Landwirtschaftsbetrieben ein, wenn der Chef oder mitarbeitende Familienangehörige ausfallen - etwa wegen Krankheit, Kur oder Schwangerschaft. "Krankengeld melkt keine Kuh", sagt der Ex-Vorsitzende Siebert Jacob. Die Mitgliedschaft in einem der Maschinenringe, die es in ganz Deutschland gebe, hat nach seinen Worten weitere Vorteile: Es gibt Vergünstigungen und Rabatte, zum Beispiel bei Versicherungen und beim Autokauf.
Der Vogtländische Maschinenring hat eine Tochterfirma gegründet, die MRV Service GmbH. Dieses Zwei-Mann-Unternehmen organisiert seit 2017 einen Teil des Winterdienstes auf dem Flughafen Leipzig/Halle, wie Geschäftsführerin Nicole Brennenstuhl erklärt. "Außerdem erledigen wir den Winterdienst auf dem Oberen Bahnhof in Plauen und den Bahnhöfen in Schönberg, Mehltheuer und Syrau. Früher waren es mehr und auch Netto-Märkte zählten zu unseren Kunden. Doch die Konditionen haben nicht mehr gepasst", berichtet Frau Brennenstuhl. ufa