Helfende Hände

Corona macht es nötig: Sechs Bundeswehrsoldaten dienen im Pflegeheim der Diakonie in Weischlitz - auch über die Feiertage. Sie unterstützen das Personal. Ihr Einsatz dauert bis zum Jahresende, danach kommen neue Soldaten.

Von Hans-Jörg Tempel

Weischlitz - Die Soldaten der Instandsetzungskompanie aus Kümmersbruck in der Oberpfalz sind als "helfende Hände" eingesetzt: Sie kümmern sich um die Essenausgabe, um die Desinfektion von Oberflächen nach einem Hygieneplan, um die Entsorgung und vieles mehr. Aber ihre Lieblingsbeschäftigung steht mit "Betreuung der Heimbewohner" im Programm: "Mal lesen wir Geschichten vor, die die Heimbewohner oft an ihre Kindheit erinnern", erklärt ein Unteroffizier. "Oder wir haben mit ihnen Weihnachtslieder gesungen. Im Vorteil waren dabei jene Kameraden, die die Lieder von zu Hause kennen und textsicher sind."
"Zu Hause" ist das Stichwort: Die Soldaten sagen, dass es schwer sei, zum Fest nicht bei ihren Familien zu sein. Sie berichten aber auch, dass sie den Rückhalt von Ihren Frauen, Kindern und Eltern hätten. Alle wüssten, dass der Ehemann, Papa oder Sohn eine wichtige Aufgabe wahrnimmt und anderen Menschen hilft. Ein gutes Beispiel ist der Soldat, der mit seiner Mutter Weihnachtsplätzchen gebacken und weihnachtlich verpackt hat, auf die sich die Heimbewohner am Weihnachtsabend freuen konnten.
Inzwischen hat sich nach Auskunft des Heimes ein tolles Verhältnis zwischen den Heimbewohnern und ihren Soldaten entwickelt. Ein Oberfeldwebel bringt es auf den Punkt: "Für uns ist das nicht irgendein Job. Es macht Spaß, weil wir spüren, dass wir gebraucht werden. Und die Zuneigung, die uns die Heimbewohner entgegenbringen, entschädigt ein wenig für die Distanz zur Familie in der Weihnachtszeit."
Ein Feldwebel fügt hinzu: "Wenn wir in unserer ‚Hygienemontur‘ mit dem Abendessen und einem lockeren Spruch ins Zimmer kommen, dann hellt sich sofort die Stimmung auf. Besonders bei den Omas, die älteste zählt 96 Jahre, ist dann gute Laune angesagt. Sie sind es ja nicht gewohnt, dass sie von knackigen jungen Männern bedient werden", ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Das Pflegeheim war durch Corona in eine schwierige Lage geraten: Es gab viele Erkrankungen, auch beim Personal, sodass der Betrieb gefährdet war. Das war der Anlass für Dr. Hartmut Denkewitz, Vorstand vom "Diakonischen Werk Stadtmission Plauen e.V.", die Bundeswehr um Unterstützung zu bitten: "Frau Paul, die Amtsleiterin vom Landratsamt Vogtland, hat die schwierige Situation für die Betreuung unserer Heimbewohner sofort erkannt und uns in der Vorbereitung des Einsatzes der Soldaten sehr unterstützt."
Torsten Löwe, Oberstleutnant der Reserve aus Plauen, der im Kreisverbindungskommando Vogtland für die Koordination der Hilfseinsätze verantwortlich ist, berichtet: "Wir Reservisten arbeiten mit Landrat Rolf Keil sehr eng und vertrauensvoll zusammen. Mit dem Landeskommando Sachsen der Bundeswehr in Dresden prüfen wir die Einsatzmöglichkeiten und kümmern uns um den Einsatz der Soldaten in den Heimen - von der Begrüßung bis zur Betreuung."
Laut Denkewitz verrichten die Soldaten eine tolle Arbeit. "Nach einer sehr kurzen Einarbeitung haben sich die Kameraden schnell mit Eifer und Fleiß in die Aufgaben im Heim eingebracht. Eine große Herausforderung, die sie hervorragend meistern. Von uns allen ein großes Lob, Dank und Anerkennung."
Auch die Soldaten loben die Zusammenarbeit. "Wir ziehen den Hut vor dem, was das Heimpersonal zum Wohle der Heimbewohner leistet", sagt der Oberfeldwebel.
Die Soldaten waren erst in der Jugendherberge "Zur Feuerwache" in Plauen untergebracht und jetzt in der Jugendherberge "Talsperre Pirk". Für Kost und Logis, von den Soldaten sehr gelobt, zahlt der Heimbetreiber, alle anderen Einsatzkosten trägt die Bundeswehr.