Helen Schneider bezaubert in Bad Elster

Bad Elster - Helen Schneider, die sympathische und charismatische Sängerin, verzauberte am Pfingstsonntag die Besucher des König-Albert Theaters in Bad Elster. Viele von ihnen waren erstaunt über die "andere" Helen Schneider, als sie mit dem Song "Everybody Loves My Baby" das Konzert eröffnete.

 

Die Sängerin, vor allem als große Interpretin von Musicalmelodien und Popballaden, als Rock?n Roll Gypsy und als fantastische Interpretin von Col- Porter-Melodien und Kurt Weill-Songs bekannt, präsentierte sich von einer ungewöhnlich träumerischer Seite. Die Künstlerin aus New York verführte "in einem Abend voller Liebe" wie sie ihn selbst bezeichnete, die Zuhörer zu einem amourösen Songabend der Extraklasse.

Mit den Musikern Mini Schulz am Bass, dem Drummer Obi Jenne und Jo Ambros, Gitarre, die sie seit sieben Jahren auf ihren Tourneen begleiten, bot die Sängerin der Extraklasse gefühlvolle Interpretationen hauptsächlich zum Thema Liebe. In charmanter Weise plauderte die Künstlerin in der ihr eigenen deutschen Ausdrucksweise mit den Gästen. Sie erzählte über ihre Mutter, die ihr großes musikalisches Vorbild gewesen sei. Die Lieblingslieder ihrer Mutter, also Jazzstandarts und Musicalhits aus deren Jugend, seien die Lieder gewesen, die sie während ihrer Ausbildung als Konzertpianistin in den 60er Jahren zur Entspannung am Klavier sang.

Mit "Only You", "Where Or When" von Richard Rodgers, oder "You Go To My Head" und anderen Love-Songs sang sie sich in die Herzen des Publikums. Viele von ihnen, so erklärte sie, trügen auch immer autobiografische Züge von ihr. Mal Unschuldslamm, mal Femme Fatale, so schwelgte Helen Schneider in ihrem Konzert in Doppeldeutigkeiten, Sinnlichkeit und Sentimentalitäten.

Eine Begebenheit aus ihrem Künstlerleben erheiterte das Publikum. Während eines ihrer Gastspiele tauchte ein junger Mann auf Rollschuhen (!) in ihrer Garderobe auf. Der durchgeknallte Typ sei Udo Lindenberg gewesen, der ihr eine Tournee durch Deutschland anbot. Sie habe dieses einmalige Angebot angenommen, allerdings sei ihr damals noch nicht klar gewesen, dass es so viele Städte in Deutschland gibt! Dankbar bekannte die großartige Sängerin, dass der "abgefahrene Typ" für sie ein Glücksfall gewesen wäre und ihr bis heute ein Freund geblieben sei, von dem sie viel gelernt habe.

 

Dass das menschliche Gefühl für die einzigartige Sängerin von großer Bedeutung ist, wurde den Besuchern nach der von ihr erzählten Episode klar. In den 70er Jahren, als sie sich mit anderen ausgeflippten Musikern in den Bergen Neuenglands aufhielt, tauchte einmal ein junger Mann in einem für sie ungewohnt braven Aussehen bei ihnen vor der Hütte auf, der ihnen erklärte, dass er direkt aus Vietnam käme und sie und ihre Freunde darum bitte, bei ihnen übernachten zu dürfen. In dieser Nacht sei sie von tierischen Schreien erwacht. Als sie erschrocken zum Lager des Gastes lief, blickte sie in angstvoll geöffnete Augen in denen sich die Schrecken des Krieges widerspiegelten. Seine Schreie und dieser Blick seien ihr bis heute in Erinnerung geblieben und hätten sie zur überzeugten Pazifistin werden lassen. Mit "In My Solitude" verabschiedeten sich Helen Schneider . P. Spieler