Heißer Marathon durch Mumbai

Marcus Schädlich erkundet die Welt - im Laufen. Gerade eben ist er im indischen Mumbai einen Marathon in vier Stunden, 28 Minuten und 35 Sekunden gelaufen. Und das bei Affenhitze, schwüler Luft und Großstadtsmog.

Von Cornelia Henze

Auerbach/Hof - Für Langstreckenläufe in unseren klimatischen Breiten brauchen Sportler schon Kondition und eisernen Willen - bei schwül-heißen Temperaturen wie in Indien müssen Läufer wie Marcus Schädlich noch davon eine Schippe drauf legen. Wegen der extremen Hitze schickten die Organisatoren die knapp 7000 Läufer schon 5.30 Uhr auf die Strecke. "Schon eine Stunde vor Start herrschten 24 Grad. Ich habe schon vor dem Start geschwitzt. Nur vom Sitzen", sagt Marcus Schädlich, den viele Vogtländer als Pressesprecher des VfB Auerbach kennen - und die Oberfranken als stellvertretenden Sportredakteur der Frankenpost Hof.


Gut hydriert bleiben, trinken, trinken, trinken: Das war die Devise des gebürtigen Auerbachers auf der 42,2-Kilometer-Strecke. Die führte an Meer und Strandpromenade vorbei, und ging auch quer durch die Slums, in denen die Ärmsten der Armen ihr Leben fristen. Am Rand der Strecke standen viele Menschen, den Sportlern Wasser und Obst reichend. Angespornt von den Anfeuerungsrufen der Zaungäste, erreichte Marcus Schädlich nach knapp viereinhalb Stunden das Ziel am Viktoria-Bahnhof, einem der imposantesten, noch aus der Kolonialzeit stammendem Gebäude im Zentrum des Millionen-Molochs. "Kein Zuckerschlecken", sagt der Vogtländer in Erinnerung an die quälend lange und heiße Strecke, bei der es ab dem 35. Kilometer auch noch 1000 Meter bergauf ging. "Spätestens nach 30 Kilometern wird jeder Marathon schwer, die Beine müde." Um das Ziel zu erreichen, hat Marcus Schädlich seine Lauftaktik tapfer durchgehalten. Bis Sonnenaufgang gegen 8 Uhr hieß es Gas geben. Ab dem 28. Kilometer wechselten sich 800 Meter Laufen und 200 Meter im Gehen ab - gegen Ende war mehr Gehen als Laufen.


Ungewohntes Klima, Jetlag und üble Luftqualität wurden so zum Feind der Läufer, die zu großen Teilen aus dem Breitensport kamen. Im Vergleich zu Laufevents in Deutschland sei in Indien die Leistungsspitze professioneller Läufer klein gewesen - ein Fakt, der Marcus Schädlich dazu verhalf, mit seiner Laufzeit in das erste Viertel des Feldes zu landen. "Ich sehe mich eigentlich als absoluter Amateursportler. Es gibt viele, die schneller und besser sind als ich", sagt der 34-Jährige bescheiden. Unter den 7000 Läufern waren übrigens nur wenige Nicht-Inder: Schädlich traf lediglich zehn Deutsche und drei Briten.


Nach der sportlichen Höchstleistung befindet sich Marcus Schädlich mit unendlichen Glücksgefühlen noch auf Sightseeing-Tour durch Indien. Gestern ging es per Inlandflug nach Delhi, und von dort wird er dem Taj Mahal in Agra einen Besuch abstatten, ehe es noch nach Jaipur geht. Wenn der Vogtländer Anfang Februar die Heimreise antritt, werden abseits der sportlichen Quälerei diese Eindrücke bleiben: Freundliche und aufgeschlossene Menschen, mit denen es sich prima auf Englisch plaudern lässt, hervorragendes Essen, unkompliziertes Reisen und ein faszinierendes Land.
Auf seinem Laufkalender kann Marcus Schädlich nun einen Haken machen hinterm 14. Marathon. Davor standen Läufe in Marrakesch, Jerusalem, der Türkei - alles Länder, die Marcus allein schon wegen ihres warmen Klimas ausgesucht hatte. "Denn ich bin kein Kälte- oder Schneeläufer", gesteht er. Im April steigt er abermals in den Flieger: Dann gehts zum Rom-Marathon, im September zum Berlin-Marathon und im November nach Istanbul.