Heinz Rudolf sucht in Plauen Mabel

Plauen - "Und wir tanzen weiter, ewig blüht das Bier. Das Leben wird vorbei gewinkt mit Blaulicht und geschlossenem Visier. Lauter kleine Lügen unterm Himmelsbauch.

 

Das Feuer ließ sich rauben doch am nächsten Morgen blieb nur kalter Rauch. Das Recht muss Unrecht bleiben, der Traum ist ausgeträumt. Die Tränen gab es gratis doch im Häusermeer wird schnell der Schmerz zerschäumt. Leben feucht und haarig - Regen in Berlin." - Heinz Rudolf Kunze nicht in Berlin, sondern im Plauener Theater zu Gast. Unplugged mit Musikerkollegen Wolfgang Stute (Gitarre, Cajon) und Hajo Hoffmann (Geige, Mandoline) gab es Songs von der neuen Scheibe ,,Räuberzivil". Sieben neue Stücke, die auf sein "Protestalbum" nicht mehr passten, vermengt mit Hits wie "Wenn Du nicht wiederkommst" und ,,Aller Herren Länder". Ohne jegliche Werbung schoss das Doppel-Album in die Charts.

Musikalisch grandios werden die Zuhörer durch satirische Gedanken aus Alltag, Politik, Liebe und Shopping-Erlebnisse geführt. Zwischendurch philosophiert er über einzelne Schuhe im Straßengraben, Standesbeamte die zur Besinnung kommen sollten und Doppelnamen abschaffen müssten, und dass Aasgeier keine Kabarettisten fressen, weil sie keine Kannibalen sind. Räuberzivil ist nicht nur eine CD, sondern ein abendfüllendes Live-Programm. 22 Songs und zwölf Sprechtexte die zum Schmunzeln bringen, Lachen auslösen, nachdenklich werden lassen und Kopfschütteln verursachen. Sätze, die keine sind, die nicht nur faszinieren, sondern auch irritieren. "Das Rätsel ist ein Rätsel, da kann man gar nichts machen", um es mit seinen Worten auszudrücken.

Doch auch musikalisch experimentierfreudig, scheut er sich vor keinem Weg. ,,Puristen sagen, Weiße sollten die Hände vom Blues lassen - das können Schwarze viel besser ... Aber das macht doch so viel Spaß und Puristen hab ich noch nie geglaubt, nicht mal meinen Kumpels von Pur."

Die Zuschauer getragen von den Klängen, mal stürmisch mal sanft - von Kuscheln bis Mitsingen - gab es stürmischen Applaus und ließ Kunze dann auch noch ,,Marlow anflehen Mabel zu finden". S. Rössel