Heinrichs Kniefall vor der Stadt

Die älteste Plauener Stadtansicht ist heimgekehrt ins Vogtlandmuseum. Und mit ihr Burggraf Henrich IV von Meißen, genannt auch Herr von Plauen. Für 1800 Euro hat das Museum das Bild, das Heinrichs Grabinschrift (Epitaph) zeigt, von den Nachfahren des Fürstenhauses der Reußen gekauft.

Von Cornelia Henze

Plauen Heute würde man von einer beispiellosen politischen Karriere sprechen, die Heinrich IV (1510 - 1554) in nur 44 Lebensjahren zuteil wurde. Dass Heinrich am böhmischen Königshaus in Prag aufwuchs, begünstigte sein Aufsteigen zum Oberstkanzler. Der Titel brachte ihm sogar eine Stimme im Reichstag ein. Im Schmalkaldischen Krieg vermochte sich Heinrich auf die siegreiche Seite zu schlagen, durch diplomatisches Verhandlungsgeschick gewann er die Herrschaften Plauen, Voigtsberg und Pausa für sich. Weniger als mittelalterlichen Vogt, vielmehr als Realpolitiker der Renaissance bezeichnet Museumsleiter Martin Salesch den Burggrafen, dessen großes Verdienst es war, die Gebiete der Vögte zu einen und dem Vogtland zu einer modernen staatrechtlichen Form zu verhelfen. Als Heinrich 1554 starb, setzte man ihm in der Johanniskirche eine mehrere Meter hohe Grabinschrift aus farbig bemaltem Holz - genannt auch Epitaph. Geschaffen hatte das Kunstwerk 1562 Wolfgang Krodel, ein Schüler von Lukas Cranach dem Älteren. Damals kostete es 170 Taler.
1815 wurde das Epitaph im Zuge von Umbauarbeiten aus der Johanniskirche entfernt. Wahrscheinlich habe das Werk gestört und sei nicht mehr zeitgemäß gewesen, so Salesch. 1837 verbrannte es offenbar auf Schloss Greiz. Ein Glück, dass ein heute unbekannter Meister das Epitaph als stark verkleinerte Kopie in Öl festhielt: Eine von den beiden wurde nun vom Nachlassverwalter der Reußen, Wolf von Trotha, zurück nach Plauen gebracht. Alten Plauenern dürfte das Gemälde bekannt sein, denn es befand sich noch bis vor zehn Jahren in Besitz des Museums, bis die Nachfahren der Reußens Restitutionsansprüche an das Familienbild stellten.
Nun ist man sich offensichtlich handelseinig geworden über den Verbleib des Bildes. Mit dem Kaufpreis von 1800 Euro liege man im Limit - Kunst-Ankäufe bis zu 3000 Euro durch das Museum seien von der Stadt genehmigt, so Salesch. Auf dem Kunstmarkt würde das Bild wohl eher weniger einbringen. Der künstlerische Wert sei gering, da es sich um eine Kopie handelt. Wertvoll und einzigartig ist das Bild jedoch für die Plauener, weil sie die älteste erhaltene Stadtansicht um 1562 zeigt.
Das Werk ist geprägt vom Zeitgeist der Renaissance. Im Mittelpunkt steht der aufgeklärte Mensch - in diesem Fall Heinrich IV, dem der Maler vermutlich authentische Gesichtszüge verlieh. In betender Haltung kniet er vor der Kulisse seiner Stadt mit den Türmen der Johanniskirche, Stadtmauer und -toren, der Elsterbrücke und dem Rathaus mit Renaissancegiebel.