"Heimat ist zuerst ein Gefühl"

Alles hat seine Gründe. Das sieht. man an heutigen gesellschaftlichen Verwerfungen, aber auch an der Vorgeschichte der Friedlichen Revolution in der DDR. Wie diese Gründe genau aussehen, reflektiert eine Ausstellung, die seit Donnerstagabend im Malzhaus stattfindet.

 Von Ingo Eckardt

Plauen  Immerhin war neben der regionalen politischen Prominenz auch der Chef der sächsischen Stasi-Unterlagenbehörde Lutz Rathenow nach Plauen zur Eröffnung der Schau gekommen und ließ dafür den offiziellen Festakt zum Tag der deutschen Einheit in Niedersachsen sausen. Es sei ein Zeichen der Wertschätzung, versicherte der ehemalige Bürgerrechtler. Er erinnerte in seinem Grußwort an die Malzhaus-Geschichte samt Verbot in den siebziger Jahren. Er verdeutlichte auch, dass die Rolle Plauens heute eine andere Wahrnehmung habe, als noch vor Jahren, als die meisten die Wende vor allem mit Leipzig verbanden.
Er selbst habe schon mehrmals über die Plauener Rolle in dieser Zeit diskutiert. "Schon im Herbst 89 hatte ich das mit West-Journalisten thematisiert. Plauen zu verstehen, heißt die DDR abseits der Metropolen zu verstehen" so Rathenow, der auch heuer wieder mit anderen Diskutanten in der FAZ eine ähnliche Debatte führte.
Plauen sei ein gewisser Störfaktor in der Ansicht, dass die bekannten Dissidenten die DDR zum Scheitern brachten. Das sei aber nicht so, denn in Plauen und den anderen Städten sei es ein wirklicher Volksaufstand gewesen, betonte Rathenow.
OB Ralf Oberdorfer erinnerte daran, dass Heimat nicht zuerst ein Ort, sondern ein Gefühl sei. Und die Plauener könnten mit Recht das Gefühl haben, ein Stück Geschichte geschrieben zu haben. Der Grund für den am 7. Oktober 89 auf die Straße gebrachten Frust sei vielfältig gewesen. "Ruinen schaffen, ohne Waffen, war in Plauen mehr als nur eine Floskel, dazu kamen die Botschaftszüge mit vielen freudigen Menschen, die in der Freiheit angekommen waren und vorher durch Plauen rollten", erinnerte Oberdorfer in der voll besetzten Malzhaus-Galerie. Was damals passiert sei in Plauen, mache die Bürger bis heute stolz und man trage das in die nächste Generation weiter.
Friedrich Reichel und Diana Zierold, die diese Ausstellung, die bis Ende November zu sehen ist, kuratierten, stellten die Schau und ihre Intention dann noch vor, bevor die Besucher auf einem Rundgang grandiose Zeitdokumente in Text- und Bildform erkundeten. Bilder des Verfalls der Stadt, Auszüge aus Stasi-Unterlagen, Berichte aus Zeitungen aus Plauen und Hof zu bewegenden Themen der damaligen Zeit, verdeutlichen das propagandistische Wirken der damaligen Diktatur. "Wir hatten wahnsinnig viel Material und hätten gut und gern auch drei Etagen bestücken können, erzählte Diana Zierold, Stadträtin der Bündnisgrünen.
Man wolle die Gegensätze zwischen privater und öffentlicher Meinung zeigen, wolle andeuten, wie Diktaturen funktionieren und die Humorlosigkeit der Herrschenden dokumentieren. Einflüsse wie die Atomkraftwerks-Katastrophe von Tschernobyl, das Wirken der Solidarnoscz in Polen, Gorbatschows Glasnost-Politik, die Wahlfälschungen in Plauen und das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking werden als Wege zum Aufbruch beschrieben.