Hausverbot gegen IG Metall vom Tisch

Die Geschäftsführung der MA Automotive in Treuen lenkt (ein bisschen) ein: Gewerkschaftsmann Stefan Kademann darf den Betrieb wieder betreten.

Treuen - In der Auseinandersetzung zwischen dem Automobilzulieferer MA Automotive und der IG Metall gibt es eine neue Entwicklung: Der Termin am Dienstag am Arbeitsgericht entfällt, weil MA Automotive das Hausverbot gegen Stefan Kademann aufhebt. Eine Entschuldigung gab es nicht. Das teilt die Gewerkschaft mit, das Unternehmen will sich auf Anfrage des Vogtland-Anzeigers nicht äußern.

Deshalb im Folgenden nur die Sichtweise der IG Metall: Der Betrieb an der A 72 produziert mit etwa 250 Mann Stammbelegschaft Karosserie- Pressteile für Firmen wie BMW und Daimler. Laut Gewerkschaft wird der Wunsch der Belegschaft nach Tariflohn immer lauter - auch weil neue Kollegen zum Teil mehr verdienen als altgediente. "Die Unternehmensleitung will partout keinen Tariflohn zahlen", sagt Stefan Kademann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau. "Dafür gehen sie über Leichen. Aber wir fechten das durch - bis zum Schluss."

Nach Darstellung der Gewerkschaft soll die Front der Tariflohn-Befürworter geschwächt werde. Deshalb hat die Unternehmensleitung dem Betriebsratsvorsitzenden Michael Zähringer gekündigt - unter fadenscheinigen Gründen: Zähringer soll einen Kollegen gemobbt und andere Betriebsräte genötigt haben. "Diese Vorwürfe sind unhaltbar", sagt Kademann, der zudem auf den besonderen Kündigungsschutz für Betriebsräte verweist. Deshalb habe er an Geschäftsführer Ulrich Bogatzki eine SMS geschrieben, ob Bogatzki wisse, was er tue. Der habe sich bedroht gefühlt - und Kademann Hausverbot erteilt.

Jetzt wurde das Hausverbot zurückgenommen. "Offensichtlich aus Scheu vor einer juristischen Niederlage", sagt Kademann, der nach eigener Einschätzung wieder in allen gesetzlich erlaubten Angelegenheiten Zutritt zum Betrieb erhält. Jetzt ist noch ein Termin beim Arbeitsgericht offen: Die Kündigung gegen den Betriebsratschef Zähringer soll am 16. Juni verhandelt werden.

Kademann rechnet mit einer harten Auseinandersetzung, obwohl die IG Metall an einer konstruktiven Beilegung der Konflikte interessiert sei. Doch Geschäftsführer und Personalleiter wollten die Eskalation: Statt ein Zeichen der Vernunft zu setzen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren, bliesen sie zum Angriff und hätten den umstrittenen Rechtsanwalt Helmut Naujoks engagiert, einer der prominentesten Gewerkschafts- und Betriebsratsgegner in Deutschland. Naujocks, öffentlich bezeichnet als "Betriebsrätefresser", "Vollstrecker für Bosse", "ausgebuffter Profi-Bösewicht", "des Teufels Advokat" und "Anwalt des Schreckens", solle die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Michael Zähringer gerichtlich durchzusetzen.