Hausbesitzer erfreut: Vogtlandkreis mietet Wohnungen für Flüchtlinge an

Flüchtlinge aus Kriegsgebieten aus aller Welt suchen in Deutschland Schutz: Auch Rodewisch wird einige dieser Menschen aufnehmen. Im Wohnhaus Lengenfelder Straße 38 mietete der Vogtlandkreis jetzt zwei Wohnungen an.

Rodewisch - "Wenn ich den Leuten mit Wohnraum helfen kann, tue ich das gern. Dass die Flüchtlinge, die so viel Schlimmes erlebt haben, bei uns auf der Straße leben müssen, das will man ja nicht", sagt Renate Heid, Eigentümerin des denkmalgeschützten Hauses in der Lengenfelder Straße. Dass sie und ihr Mann dringend Mieter brauchen, um das nach der Wende gekaufte Haus erhalten zu können, verhehlt die in Pettstadt bei Bamberg lebende Rentnerin auf Anfrage nicht. Als Rentnerpaar lebten sie am Limit mit einer kleinen Rente und etwas Erspartem, doch das Sechs-Familien-Haus in Rodewisch, Baujahr 1905, wolle erhalten sein.

"Wir hatten eine zeitlang gut vermietet, aber dann sind uns drei Mieter verstorben. Und seitdem stehen Wohnungen leer. Nur eine ist zurzeit gut vermietet", sagt Frau Heid, die auf jeden Fall eine Privatinsolvenz vermeiden will. Die großangelegte Suche nach Wohnraum für Asylbewerber kam den Hausbesitzern gerade recht. "Ich habe ans sächsische Innenministerium geschrieben. Und irgendwann kam ein Anruf vom Landratsamt des Vogtlandkreises", berichtet Frau Heid.

Nun sei der Vorort-Termin erfolgt und ein Mietvertrag über zwei Wohnungen - beide um die 50 Quadratmeter groß - abgeschlossen worden. Vorerst bis Ende Juni 2015. "Das sind zwar nur sechs Monate, aber ich freue mich. Vielleicht kommen ja junge Familien mit Kindern an. Die können im Hof und Garten spielen ohne Ende, gerne auch im Sommer ein Planschbecken aufstellen. Ansonsten ist ja alles bestens saniert, Dusche, Badewanne, alles da", sagt die Vermieterin, die gerne noch weitere zwei bis drei Wohnungen vermieten könnte.

Aber das habe der Vogtlandkreis vorerst abgelehnt. "Aus bau- und brandschutzrechtlichen Gründen können Gemeinschaftswohnungen in Privathäusern nur zu 50 Prozent des Gesamtwohnraumes angemietet werden. So will es das Gesetz", so Kreissprecherin Kerstin Büttner.

Dass sich in dem stattlichen Bürgerhaus an der Bundesstraße etwas tut, haben etliche Rodewischer in den letzten Tagen bemerkt. Es wurden Möbel und Küchengeräte hineingetragen. "Das habe ich auch gesehen", sagt Rodewischs Bürgermeisterin Kerstin Schöniger, die die Unterbringung von Asylbewerbern in "ihrer" Stadt grundsätzlich begrüßt.

"Uns geht es in Deutschland so gut, da können wir ruhig die Arme für andere aufmachen", sagt die Stadtchefin und erinnert daran, dass Begriffe, wie Vertreibung, Flucht und neue Heimat auch im Vogtland geläufig sein müssten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seien auch in Rodewisch und Umgebung viele Menschen aus Schlesien, Pommern, dem Sudentenland oder aus Ungarn hier angekommen. Sie und ihre Nachkommen sind heute genauso Vogtländer, wie diejenigen, die schon immer dort lebten.

"Ängste der Einheimischen gegenüber Fremden basiert auf Unkenntnis. Deshalb bin ich für Offenheit, für ein Aufeinanderzugehen", so Schöniger. Nur so könne man Eskalation und Ausländerfeindlichkeit eindämmen. Größere Objekte in kommunaler Hand habe man in Rodewisch für die Unterbringung von Asylbewerbern bisher nicht gefunden, sei aber mit der Wohnungsbaugesellschaft in Verhandlung.

Viele Gebäude, wie die leerstehende Mittelschule, eigneten sich nicht - weil zu marode oder wegen der hohen Auflagen nicht tauglich. "Solche Objekte haben wir in den letzten Wochen viele geprüft, mussten aber alle Angebote verwerfen", so Kreissprecherin Kerstin Büttner und nennt als Beispiel das alte Wema-Wohnheim Plauen und den "Ellefelder Hof". Käme aber jetzt eine Flut von Asylbewerbern - man rechnete etwa mit 200 Personen - sei man durchaus in der Lage, sie unterzubringen. Gesucht wird jedoch ein Gebäude für ein drittes Asylbewerberheim für rund 150 Menschen. Neben einem größeren Heim seien aber dezentrale Wohnungen, wie eben in Rodewisch gefunden, immer willkommen.

Kleinere Angebote gebe es im ganzen Kreis. Zurzeit leben 480 Asylbewerber in den Plauener Heimen Kasernenstraße und Kronprinz sowie in Gemeinschaftswohnungen. 150 Menschen wurden in Wohnungen privater Häuser untergebracht.