Hatz durch den Winterwald

Es muss nicht das Iditarod in Alaska sein, das längste Hundeschlittenrennen der Welt: Rund um Hammerbrücke war vergangenes Wochenende das Flair des nordischen Hundesports zu erleben.

Hammerbrücke -  "Schlittenhunderennen sind immer faszinierend und unterhaltsam. Aber nur reinrassige nordische Hunde zu erleben immer wieder das Besondere und eben Echte daran", gesteht Kerstin Trömpel, die sich nicht erinnern kann, mal nicht als Zuschauerin dabei gewesen zu sein.
Mutter Natur hatte für Samstag und Sonntag noch ausreichend Weiß ausgebreitet. Das Thermometer zeigt teils fünfzehn Grad plus. Absolutes Kaiserwetter. Für alle also optimale Bedingungen. "Durch die wechselnden Temperaturen der letzten Tage, teils auch Neuschnee, war auf den Strecken ein einziger Eispanzer entstanden. Den haben wir aufgeraut, um für die Hunde und die Schlitten verletzungsfreien beziehungsweise griffigen Untergrund zu schaffen", verweist Claus Seidel auf letzte Vorbereitungen und die vielen freiwilligen Helfer. 
Sowohl begeisterte Teilnehmer wie rund 3000 Zuschauer, die es wieder an die Strecken lockte, konnten sich davon überzeugen.
Und immer wieder das gleiche imposante Bild: Die "eigentlich Aktiven", ausschließlich Siberian Huskys, Alaskan Malamuten, Samojeden oder Grönlandhunde, sind schon ganz aufgeregt. Gewohntes Treiben vor dem Start. Geziehe, Gezerre, endlich sind alle geschirrt. Drei, zwo, eins - los geht die Hatz. 
Etwa von Null auf fast dreißig km/h. Drei Distanzen (6, 10 oder 15 km) gilt es, je nach Klasse zu bewältigen. Für die Nummer 1, Götz Bramowski vom Schlittenhunde-Sportclub Thüringen, geht es mit seinen vier Siberian Husky über sechs Kilometer. Insgesamt gingen nach einigen kurzfristigen Absagen in den hohen Klassen (sieben bis vierzehn geschirrte Hunde) 35 Gespanne - als Stammgäste auch fünf niederländische Gäste - an den Start. Unter allen auch Erhard Feickert. Der Sanitärinstallateur aus Spremberg war der insgesamt 1000. Starter in der Hammerbrücker Schlittenhunderennen-Geschichte. Mit seinen vier Siberian Huskys namens Nougat, Dollar, Nabou und Bugs absolvierte er in der C1HD-Klasse den Sechs-Kilometer-Trial und war im Ziel auch sehr zufrieden: "HD steht ja für Happy Dog. Die Hunde müssen mindestens acht Jahre alt sein, also Senioren, so wie ich." Der 58-Jährige lacht und ergänzt: "Und dafür haben wir fünf unsere Sache gut gemacht." Wesentlich mehr Arbeit braucht es beim Ski-Jöring. Da muss der Musher per Skating seinem Hund folgen.
Die Ruhe weg haben hingegen der "Hungrige Schwarzbär" und der "Flinke Waschbär". So geben sich die beiden Trapper zu erkennen, die seit 1994 in Hammerbrücke das Alltagsleben, den Zusammenhalt und die Gruppendynamik von nordamerikanischen Fallenstellern und Pelztier-Jägern und ihren treuen Vierbeinern demonstrieren. 
Dicht umringt geben die beiden eigentlich aus Aue Stammenden Auskunft, wie sie ihre Bekleidung oder auch Äxte und Messer traditionell selber hergestellt haben. "Eigentlich sollten einige Tipis mehr stehen. Aber der Auf- und Abbau ist derart kompliziert, so dass unser Sportverein wieder sein eigenes Zelt gestellt hat und die Trappergilde aus dem Erzgebirge das gern nutzt", erläutert Seidel einen Teil des Musherdorfes. 
Dort zog es vor allem die Familien hin. Denn die Schlittenhunde sind allesamt erpicht auf Streicheleinheiten, sind bestens dazu geeignet, eventuelle Ängste vor den rassigen Vierbeinern abbauen zu helfen.
Größter Andrang herrschte natürlich im Start-und-Ziel-Bereich. Die Nervosität und Anspannung der Gespanne vor dem Start zu beobachten oder im Zieleinlauf noch einmal mit kräftigem "ho ho ho" zusätzliche Motivation auf den letzten Metern zu geben - das umreißt "die einfach tolle Stimmung", waren sich Organisatoren wie Hundeschlittenführer einig.    Udo Hentschel