Hat der Bürgermeister von Bad Elster Knöllchen verteilt?

Vom Ordnungsamt der Stadtverwaltung Bad Elster habe er eine "Schriftliche Verwarnung" erhalten, weil er kurz (etwa drei bis vier Minuten) in der Hagerstraße gehalten habe, schreibt Johannes Fiedler, Allerstraße 46 aus Berlin. Während seine Freundin in der nahen Bank Geld abhob, blieb Johannes Fiedler im Wagen sitzen.

"Während dieser Zeit hielt ein Privatwagen für zwei bis drei Minuten vor mir. Ich vermute, dass in dem Privatwagen die Person saß, die auf der Verwarnung als Zeuge angegeben war: Herr Bürgermeister. Spannend die Frage, ob das Fahrzeug überhaupt die Berechtigung hatte, dort unverwarnt zu halten, dann müsste die Stadtverwaltung schnell das Versäumte nachholen, in diesem Fall benenne ich mich als Zeugen", schreibt der Berliner und wirft den Verantwortlichen "unglaublich wenig Fingerspitzengefühl Touristen gegenüber vor".

"Falls besagter Herr Bürgermeister DER Bürgermeister der Stadt Bad Elster war, ist er meines Erachtens nach eindeutig unterbeschäftigt", heißt es in dem Leserbrief weiter. Die zehn Euro habe er bezahlt. In Politik und Verwaltung solle man sich Gedanken machen, wie man die Stadt Bad Elster positiv darstelle. Hat tatsächlich der Bürgermeister persönlich Knöllchen verteilt, wollte unsere Zeitung von Bürgermeister Christoph Flämig wissen.

Das Knöllchen hat der Bürgermeister nicht selbst verteilt. Wohl aber habe er die Nummer des Fahrzeuges notiert. "Der Mann schreibt leider nur die halbe Wahrheit", ärgert sich Flämig. Das Fahrzeug parkte in Fahrtrichtung links in der Hagerstraße im absoluten Halteverbot der Sparkasse. "In der Hagerstraße gegenüber ist nur Parkverbot. Dort hätte der gute Mann kurz stoppen können für sein Bankgeschäft", erklärt Flämig.

Auch biete die Sparkasse selbst Kundenparkplätze. Parkmöglichkeiten bestanden zum genannten Zeitpunkt auch auf dem Kirchplatz. Er sei im Privatfahrzeug unterwegs gewesen und auf den Falschparker gestoßen. "Als Chef der Ortspolizeibehörde musste ich handeln. Ich habe die Nummer notiert", so Flämig. Das Ordnungsamt stellte dem Fahrzeughalter dann die Verwarnung zu.

Absolutes Halteverbot sei nun mal klar definiert. Die Straßenverkehrsordnung lasse da keinen Handlungsspielraum. Es sei schon unverschämt, wie mancher Zeitgenosse sich anmaße, mit großer Selbstverständlichkeit Recht zu brechen. Besonders ärgerlich findet der Bürgermeister, dass sich der Mann an die Öffentlichkeite wende und sein eigenes Fehlverhalten völlig unterschlage. "Der Mann wird eine Antwort bekommen", so Flämig.