Harter Kampf um Rittergut Straßberg

Plauen - Schon lange ist der Zustand des Rittergutes den Straßbergern ein Dorn im Auge. Seit Jahren verfällt das Gebäude am Fuße der Kirche mehr und mehr, ist nicht nur ein Schandfleck sondern auch eine Gefahrenstelle für die Bewohner des Plauener Ortsteiles.

Ortsvorsteher Dieter Blechschmidt sieht das Problem bei den Behörden, insbesondere beim Denkmalschutz. Deshalb wurde zur Sitzung am Montagabend der Gebietsreferent des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Wolfgang Nitsche, eingeladen.

In einem kurzen Abriss stellte er die Abläufe der vergangenen Jahre dar. 1999 ist das Areal mit Herrenhaus und Seitengebäude unter Denkmalschutz gestellt worden. Städtebaulich hat das Rittergut laut Nitsches Aussagen großen Wert und ist architektonisch bedeutsam. Der bauliche Zustand gleiche allerdings schon seit Jahren einer Ruine. Dach, Treppen und der gesamte Innenbereich seien angegriffen.

 

Zwischen 2004 und 2006 stellte der Eigentümer Herr P. mehrere Fördermittelanträge zur Sicherung. 2006 wollte die Stadt einen Antrag genehmigen, dieser wurde jedoch vom Regierungspräsidium abgelehnt. Dass die Denkmalschutzbehörde, laut Aussagen von Blechschmidt, angedachte Vorgänge verhindert habe, wies Nitsche ausdrücklich von sich. "Ein Teilabbruch, also zwei Drittel, wäre immer möglich gewesen, jedoch unter der Bedingung der Erhaltung der Kellergewölbe. Aber bei uns hat weder jemand angefragt noch einen Antrag gestellt", so der Landesamtmitarbeiter. Der Gemeinde sei es freigestellt, einen Abbruch zu beantragen und alles wegreißen zu lassen, allerdings sei dies gegen den Willen des Eigentümers rechtlich nicht korrekt und kann zu erheblichen Kosten führen. Den Eigentümer selbst kostet ein Abbruch etwa 30 000 Euro.

Eine andere Möglichkeit sieht Nitsche durch das Programm für ländliche Entwicklung. Hier könnten mehrere 10 000 Euro für eine Notsicherung beantragt werden, allerdings nur, wenn ein Nutzungskonzept vorliegt, was gleichzeitig den Willen zur Erhaltung beinhaltet. Auch wenn nur noch die äußere Hülle erhalten bliebe, wird der Denkmalschutz bestehen bleiben.

Blechschmidt war mehr als verärgert über angeblich widersprüchliche Aussagen der Behörden. Außerdem sei der Ortschaftsrat nach einer Begehung im Frühjahr nicht ausreichend informiert worden. Nitsche wies jedoch ausdrücklich daraufhin, dass der Begehung weder Abriss noch andere Maßnahmen zugrunde lagen, sondern lediglich die Beurteilung der Gebäude sowie des Geländes.

Laut Ortschaftsrat seien potentielle Investoren immer wieder von den Auflagen des Denkmalschutz abgeschreckt gewesen. Wolfgang Nitsche jedoch betonte nochmals, dass mit ihm niemand das Gespräch gesucht habe und eventuelle Behördengänge bei solchen Vorhaben der Lauf der Dinge sind. Hinzu kommt, dass alles als archäologische Relevanz-Zone eingestuft wurde. Früher stand auf dem Berg eine große Burg. Auf umliegenden Flächen hat es demnach ein Fort und andere Gebäude gegeben . Deshalb ist zu vermuten, dass bei Grabungen Funde aus der damaligen Zeit der Vögte gemacht werden könnten. Das bedeutet, wenn auf dem Grundstück gebaut werden soll, muss sich mit dem Landesamt für Archäologie verständigt werden. Die Kosten, die dort für eventuell stattfindende Ausgrabungen entstehen, muss der Bauherr tragen. Je nach Einschätzungen des Amtes kann das wenig Aufwand oder lang andauernde Arbeiten mit hohen Kosten bedeuten.

Nitsche bot seine Hilfe an, um eine Lösung für das Rittergut zu finden. Es gehört zu seinen Aufgaben, einen geeigneten Weg zu finden, auch mit entsprechenden Fördermitteln. Bei dem Vorhaben, das historische Areal weiter am Leben zu erhalten, versprach Nitsche sofort Unterstützung. Ortsvorsteher Blechschmidt jedoch wich einer Stellungnahme dazu aus und zog es vor, das Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit im geschlossenen Teil weiterzuführen und erst dort die wirklichen Pläne der Straßberger zu offenbaren. va