Harte Zeiten für Pensionsbetreiber

Bad Elster - Insgesamt 763 000 Übernachtungen in Bad Elster und Bad Brambach wurden in den beiden Kurorten im vergangenen Jahr gezählt. Zur jüngsten Stadtratssitzung in Bad Elster machte Stadtrat Martin Schwarzenberg (Freie Wähler) im Zusammenhang mit den aktuell veröffentlichten Zahlen allerdings auf ein großes Problem aufmerksam: "Auch wenn diese Zahlen insgesamt erfreulich sind, ist im vergangenen Jahr die Abnahme der Übernachtungen im privaten Bereich um weitere zwei Prozent fortgeschritten." Der Stadtrat bezeichnete die Situation für die privaten Vermieter in Bad Elster als äußerst Besorgnis erregend und fügte an: "In den zurückliegenden sieben Jahren ist die Zahl der Übernachtungen im privaten Bereich insgesamt um 56 Prozent zurückgegangen. Hier ist dringend eine Trendwende erforderlich." Dem stimmte Bürgermeister Christoph Flämig zu. "Die Zahl der Übernachtungsgäste in Bad Elster ist zwar insgesamt gestiegen, leider aber im privaten Bereich nicht", stellte auch er fest und ergänzte: "Ich hoffe sehr darauf, dass der Gastgeberverein, der sich jetzt neu formiert hat, diesem Trend wirksam etwas entgegensetzen wird." Eine der hauptsächlichen Ursachen für diesen unerwünschten Rückgang sieht FDP-Stadtrat Dr. Detlef Schlott in einem unfairen Wettbewerb der Kliniken. "Ich betone, dass ich nichts gegen die Kliniken in Bad Elster habe, aber es kann nicht sein, dass diese ihre Räume für Übernachtungen an die Ehepartner und Begleiter der Kur- und Rehapatienten bereitstellen, welche den privaten Vermietern im Ort dann verloren gehen", beanstandete er. "Die in den Kliniken privaten Übernachtungsgäste erhalten zudem auch noch Vollverpflegung zu Dumpingpreisen, so dass auch unserer Gastronomie im Ort ein großer Teil der Gäste verloren gehen. Die Kliniken können doch vermieten und sollten dafür dann auch eine Gewerbesteuer zahlen, aber nicht den Privatvermietern die Lebensgrundlage wegnehmen", fügte er an. "Hier müssen dringend gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden, denn es nützt nichts, wenn der Ort leer ist und die Kliniken voll sind", forderte Schlott.  Auch Gabriele Seifert (SPD) monierte diese Wettbewerbsverzerrung. "Es ist aber auch so, dass viele Gäste gerne in die Kliniken wollen und das sicher auch mit dem Ehepartner, wobei der Preis gar nicht so eine Rolle spielt, sondern der Vorteil alles in einem Haus vorzufinden", berichtete sie aus ihren Gesprächen mit den Kurgästen. Dierk Häslich (CDU) appellierte, dem Bereich der privaten Vermieter mit weit über 900 Betten im Ort wieder einen größeren Stellenwert einzuräumen. "Die Pensionen und Hotels sollten deshalb in der Diskussion zum Entwurf des Leitbildes für den Ort ebenso im Vordergrund stehen wie die Kliniken", meinte er. "Es kann den Kliniken natürlich niemand verbieten, Übernachtungen anzubieten", verwies Bürgermeister Christoph Flämig. "Was die Form der steuerlichen Behandlung angeht, sind in dieser Situation die Belegungsträger und das Finanzamt gefragt", betonte er. Er habe dazu schon einmal vor ein paar Jahren eine Anfrage beim Finanzamt gestellt und die Antwort erhalten, es hätte alles seine Richtigkeit. Auf Grund der aktuellen Diskussionen möchte er nun nochmals mit der Behörde in Verbindung treten.