Handicap ist kein Handicap

Tom Ullrich ist ein junger Mann mit Handicap. Doch mit Fleiß, Ausdauer und Engagement überzeugt er seinen Chef und seine Kollegen in der Plamag GmbH, wo er als CNC-Dreher beschäftigt ist.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Überall im Vogtland suchen Unternehmen nach Fachkräften. Und, dass auch Frauen und Männer mit einem Handicap leistungsfähig sein können, wird schon zigfach in den Betrieben bewiesen. Gestern stellte die Agentur für Arbeit in der Plamag GmbH einen jungen Mann vor, der trotz einer Lernschwäche seinen Weg in das Berufsleben erfolgreich gegangen ist und als Fachkraft für Metalltechnik an der CNC-Drehmaschine steht. "Wir sind froh, dass wir über das Arbeitsamt ein Praktikumsangebot für Tom Ullrich bekommen haben. Er ist für uns ein Erfolgsmodell. Zwar hat er ein kleines Defizit im theoretischen Bereich durch eine Lernschwäche. Dieses gleich er durch Fleiß, Ausdauer und hohes Engagement mehr als aus. Das müssen ihm andere erst einmal nachmachen. Wir sind froh, ihn in die Stammmannschaft übernehmen zu können", sagte Plamag-Geschäftsführer Jens Wunderlich: "Wir mussten zwar in der Organisation an der CNC-Maschine etwas ändern, da Tom Ullrich die Maschine noch nicht selbstständig programmieren kann, aber das haben wir gern getan. Die anderen Kollegen richten die Maschine ein und Tom Ullrich arbeitet dann die Aufträge ab."
 Der 21-Jährige, der mit zwei älteren Kollegen eng zusammenarbeitet, fühlt sich wohl. "Mir macht die Arbeit großen Spaß", sagt der junge Plauener, der nach dem Abschluss der Lernförderschule "Käthe Kollwitz" in der Fördergesellschaft für beruflich Bildung eine überbetriebliche Ausbildung als Fachkraft für Metalltechnik absolvierte, mit der Kolping-Schule eine theoriereduzierte Berufsschule besuchte und in der Plamag den praktischen Teil abschloss. Seit September 2018 ist Tom Ullrich als CNC-Dreher beschäftigt.
 "Die Ausbildung junger Leute ist eine Investition in die Zukunft. Und wir haben eine gute Auftragslage und wollen weiter wachsen", sagt Wunderlich und berichtet von 21 neuen Arbeitsplätzen die im vergangenen Jahr mit dem neuen Ersatzteillager für die Kraus Maffei Spritzgusstechnik (KMS) München, zu der die Plamag gehört, entstanden sind. "Hier lagern rund 20 000 Ersatzteile, von denen täglich 1000 Positionen weltweit versandt werden." Wachstum gebe es auch in den Geschäftsfeldern Baugruppenmontage und Lohnfertigung von Bauteilen. 50 Prozent des Umsatzes werde mit dem Eigentümer KMS gemacht, die andere Hälfte seien Lohnfertigungen für verschiedene Kunden aus den Bereichen Maschinenbau, Verpackungsindustrie, Elektrotechnik oder Sonderanlagenbau. Seit drei Jahren setzt die Plamag wieder auf eigene lehrlings-Ausbildung. Momentan gebe es elf Azubis bei 155 Mitarbeitern, einschließlich Leiharbeitern.