Handel in Sorge

Zum "Corona-Gifpel" am Mittwoch wurden verschärfte Regeln für den Handel beschlossen. Statt ein Einkäufer pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche gibt es jetzt eine Staffelung.

Plauen Kleine Geschäfte bis 800 Quadratmeter Fläche dürfen weiterhin eine Person pro zehn Quadratmeter herein lassen. Bei größeren Geschäften sollen über die Grundgröße hinaus gehende Flächen nur noch eine Person pro 20 Quadratmeter ermöglichen. Auch wenn die Bundesländer jeweils eigene Verordnungen erlassen, geht man im Sinne der Einheitlichkeit davon aus, dass diese Regeln überall in Deutschland Gültigkeit besitzen. Kritik an den neuen Regeln äußerte der Deutsche Handelsverband. Dessen Hauptgeschäftsführer Stefan Genth hätte es besser gefunden, die bereits den gesamten November geltende Vorgabe von zehn Quadratmetern Verkaufsfläche pro Person für alle Einzelhändler durchgängig beizubehalten. Das stelle auch die Einhaltung der vom Robert Koch Institut empfohlenen Abstandsregelung sicher.
Die Regeln machen aber nun mal andere: Bei einer Geschäftsgröße von 2.000 Quadratmetern dürften als 80 Personen (für die ersten 800 qm) und 60 Kunden für die restlichen 1200 Quadratmeter gemeinsam einkaufen. Die "Überwachung" obliegt den Geschäften.

 


Plauen-Park-Centermanager Dirk Brückner zeigte sich auf Nachfrage noch ein wenig zugeknöpft. "So intensiv stecke ich natürlich noch nicht im Thema der Neuregelung - der Freistaat Sachsen wird diese ja noch als Verordnung herausgeben. Die angekündigte 20 qm- und 10 qm-Regelung gilt ja für verschiedene Mieter in unserem Center differenziert, aber wohl auch für die Ladenstraße", sagt der Centerchef. Dennoch seien die sich ständig ändernden Regelungen ziemlich nervig. In der wichtigsten Zeit des Jahres Einschränkungen zu haben, sei einfach extrem schwierig, zumal man ja bedenken müsse, dass für viele im Januar, Februar ohnehin eine "Saure Gurken-Zeit" bevorsteht. Auch in seinem Center habe es Geschäfte gegeben, die im November massive Umsatzeinbrüche hatte. "Die wurschteln sich da jetzt so durch - aber immer mehr sinkt die Liquidität und das ist für viele Unternehmen existenzgefährdend", so Brückner, der das im Frühjahr eingeführte Centereigene Hygienekonzept als bewährt ansieht.
Auch kleine Geschäfte sind von der Regelung betroffen - wie beispielsweise Monika Mühle vom alteingesessenen Geschäft "Lederwaren Wimmer". Bei ihr dürften drei, vier Menschen gleichzeitig im Geschäft sein. Seit "Lockdown light" habe auch sie eine Kaufzurückhaltung erlebt - dabei habe sie zumindest, im Gegensatz zu den Geschäften der Fußgängerzone, den Vorteil, dass ihre Kunden erst im Laden die Mund-Nasen-Maske aufsetzen müssen. "Mir fehlen vor allem Tagestouristen und die Kunden der geschlossenen Gaststätten in der Umgebung meines Ladens in der Straßberger Straße. Meine Stammkunden kommen trotzdem, aber es ist einfach generell weniger los in der Stadt - gerade der fehlende Weihnachtsmarkt macht mir da Sorgen", erzählt Monika Mühle. Im nächsten Frühjahr werde sie ihr Geschäft schließen. "Das hat aber nichts mit Corona oder den Maßnahmen zu tun. Ich bin einfach in dem Alter, in dem man in Ruhestand gehen kann", lacht die rüstige Seniorin.
Einen kritischen Blick auf die derzeitige Situation hat Uwe Rödel, Verkaufsleiter beim vogtländischen Familienunternehmen "Mayer's Markenschuhe" mit Sitz in Treuen. Für alle Händler sei die derzeitige Situation sehr kompliziert. Im Geschäft in der Stadtgalerie dürften gleichzeitig 15 bis 16 Personen einkaufen. Geregelt werde dies über markierte Schuhlöffel im Eingangsbereich. "Man darf aber davon ausgehen, dass derzeit die Maximalzahl ohnehin nicht ausgereizt wird. Bekleidung und Schuhe zu verkaufen, ist sehr schwierig im Moment. In einigen Filialen liegen wir teilweise bis zu 25 % hinter den Vorjahresumsätzen. Der November war und ist eine Katastrophe hoch zehn. Man muss wissen, dass der November üblicherweise der umsatzstärkste Monat des Jahres ist. Um es konkret zu sagen: Wir wären froh, wenn wir die Kunden im Zaum halten müssten", übt sich Rödel im Galgenhumor. Eine solche Situation habe er in 21 Jahren Tätigkeit bei "Mayer's Markenschuhe" noch nicht erlebt. Aber dennoch bleibt er - auch im Angesicht bereits vollzogener und befürchteter Insolvenzen von Mode- und Schuhanbietern - optimistisch. "Wir haben dieses Jahr unser 30 Jahre-Jubiläum gefeiert. Unsere eher konservative Geschäftspolitik sorgt jetzt dafür, dass wir uns mit langem Atem über Wasser halten können. Uns gibt es auch in zwei Jahren ganz sicher noch", ist Rödel überzeugt.
Ähnlich nachdenkliche Worte findet Jana Döhling von der Geschäftsleitung des Sportartikelanbieters "Intersport Hopfmann". "Für uns machen die neuen Regeln wenig aus. Unsere Fläche ist groß genug, der Abstand kann problemlos eingehalten werden. Lediglich am Samstag, wo wir stets viele Kunden haben, wird der Zugang über einen Sicherheitsdienst geregelt", sagt Jana Döhling, die aber ebenfalls ganz andere Themen als Problem sieht. "Es war im November katastrophal ruhig, viele Leute haben einfach riesige Angst. Das war der schlechteste Monat seit Eröffnung unseres Standortes in Plauen", stellte die junge Frau fest. Zudem fiele jetzt der Weihnachtsmarkt weg und damit auch die verkaufsoffenen Sonntage, die eine "Sonderkonjunktur" gebracht hätten. Zudem sei es für viele Kunden belastend, in der weitläufigen Fußgängerzone mit Mund-Nasen-Bedeckung herumzulaufen. "Auch wenn wir bisher - insbesondere durch unsere Jubiläumsaktionen zum 30. Geburtstag unseres Unternehmens - einigermaßen über die Runden kamen, denken wir derzeit über Kurzarbeit für die Mitarbeiter nach", sagt Jana Döhling. Zudem gäbe es eine gewaltige "Unbekannte" derzeit - die bevorstehende Skisaison. Das aktuelle Skisortiment, samt Helmen, Schuhen und Zubehör habe natürlich viel Kapital gebunden. Falls die Saison in weiten Teilen der Alpen tatsächlich ausfallen würde, wäre das eine Katastrophe. Ingo Eckardt