Handbike-Sieg für Vogtländer

Seit einem Unfall ist der Röthenbacher Steffen Seifart gelähmt. Für ihn kein Grund, sportlich nicht ganz vorne mitzumischen. In der Slowakei holte der Handbiker beim Europacup jetzt den Sieg.

Von Sybille Güntzel-Lingner

Röthenbach Was bei dem querschnittsgelähmten Steffen Seifart als Hobby begann, betreibt er inzwischen als Leistungssport. Ein Motorradunfall vor 15 Jahren hatte ihn an den Rollstuhl gefesselt. Doch Seifart gab nicht auf. Er legte sich ein Handbike zu, ein Gefährt, mit dem man liegend Rennen fahren kann. Zunächst betrieb er diese Sportart als Hobby. Seit 2015 ist er Mitglied im BPRSV ( Brandenburgischer Präventions- und Rehabilitations Sportverein) in Cottbus, der ein Paraolympisches Zentrum für Leistungssport unterhält.
"Hier gings zur Sache. Ich wurde Leistungssportler. Das war schon eine Herausforderung für mich", erinnert sich Seifart. Die Erfolge blieben nicht aus. Seinen bislang größten Sieg fuhr er beim Europacup vom 12. bis 14. Juli im slowakischen Púchov ein. Angetreten war er in seiner Klasse MH3 (richtet sich nach dem Grad der Behinderung) mit sechs Startern, darunter Holländer, Ungarn, Polen und ein Spreewälder.
"Mein Trainer hat gesagt: ‚Du musst gewinnen!‘. Im Einzelzeitfahren war es knapp, aber am Berg lief es für mich sehr gut", schildert Seifart das Rennen. Mit dem Europacup-Pokal kam er schließlich nach Hause.
Langsam füllt sich das Regal mit den Siegestrophäen in seiner Wohnung. Bei den Deutschen Meisterschaften vor drei Wochen in Baden-Württemberg wurde er Dritter. Im Mai belegte er bei einem Rennen in Italien unter 50 Startern den 12. und 13. Platz. Im Vorjahr kam er bei einem Europacup auf den zweiten Platz.
"Mich füllt dieser Sport ganz aus. Er ist für mich ein Ansporn zum Weitermachen. Das Training sei sehr zeitintensiv, so der 38-Jährige.. Man müsse dranbleiben, sagt er. Im Sommerhalbjahr wählt Seifart als Ziele größere Strecken. Mit seinem Rad geht es Richtung Carlsfeld oder Fichtelberg. Da ist er schon drei Stunden unterwegs.
Die Röthenbacher, dort wo Seifart zu Hause ist, kennen das außergewöhnliche Gefährt, das sonst alle Blicke auf sich zieht, schon, wenn er damit durch den Ort rollt. Im Winter trainiert er auf einem speziellen Hometrainer in seinem Wohnzimmer.
Wie jede Sportart ist auch der Behindertensport auf Gönner angewiesen. Ohne die gehe nichts, nennt Seifart seine Gönner, wie die Schlosserei Tennstädt, die Rodewischer Allianzvertretung Holger Liebold, die Fitness Hotline Rebesgrün und den Inhaber eines Feinkostgeschäftes in Zwickau. Wenn Seifart nicht gerade an Rennen teilnimmt oder trainiert, werkelt der gelernte Zimmermann mit seiner langjährigen Lebenspartnerin Isabel an seinem Fachwerkhaus in Röthenbach. Außerdem übt er für die zu Rodewisch gehörende Ortschaft Röthenbach seit 2014 das Amt des Ortsvorstehers aus.
Seine nächsten Rennen hat er schon gebucht. Im Herbst wird er beim Berlin Marathon und bei einem Rennen in der Fränkischen Schweiz starten. Außerdem wird geheiratet, vielleicht bei einem Europacup in England.