Halloween-Jam: Als wenn du schwebst

Da blieb einem die Spucke weg beim Anblick der tollkühnen Typen, die am Wochenende auf dem Gelände des alten Kurt-Mittag-Sportplatzes am Stadtpark mit ihren BMX-Rädern über das hügelige Gelände fuhren. Die Könner trafen sich zum Event "Halloween-Jam".

Plauen - Plauen war am Wochenende ein angesagter Anlaufpunkt für junge Leute aus dem ganzen Land. Die BMX-Radfahrgemeinde weiß schon lange, dass in der Spitzenstadt eine BMX-Geländebahn betrieben und gepflegt wird, die es in sich hat. Zwei Mal im Jahr werden vom gastgebenden Verein Trails Company Plauen auf dem alten Areal oberhalb des Parktheaters Fahrwochenenden veranstaltet. Diesmal stieg ein Halloween-Jam - ein zwangloses Treffen, bei dem das Fahren, viele Gespräche und eine vorgezogene Halloween-Party unter freiem Himmel Pflicht waren. Über 50 Fahrer aus ganz Deutschland schauten vorbei.

Die Teilnehmer, Besucher und Zuschauer hatten ihre wahre Freude, denn das Fahrgelände zeigte sich in bestem Zustand. Es besteht aus vier Bahnen, die Gesamtstreckenlängen betragen 150 Meter und sind in die Schneise neben dem alten Sportplatz eingebettet, die früher als Trainingsgelände für Polizeihunde diente. "Daher trägt unsere Anlage auch den Namen Sturmbahn", erläuterte Peter Kratz, Vorsitzender des BMX-Vereins Trails Company Plauen.

Es ist nur vage zu erahnen, wie viel Fleiß und Mühe sich die Radler machten und machen, um eine solche kurvige und anspruchsvolle Berg-und-Tal-Szenerie aus Lehm zu realisieren. "Allein für diese halbe Rampe, die zur Ausfahrt nach einem Sprung dient, brauchten wir über eine Woche. Wir nehmen nassen Lehm, modellieren den mit den Händen, der wird dann trocken und dann kann es losgehen", so Markus Neubacher, ein weiterer Mitstreiter. 1999 begann die Geschichte dieser Bahn mit einem Vorgängerverein, die der jetzige Verein Ende 2012 übernahm und nun fortschreibt.

"Hier findest du die besten und krassesten Sprungmöglichkeiten im ganzen Land", sagt Jacob Aschauer, ein 18-jähriger Bursche aus Lindau am Bodensee, der mit seinem Kollegen Johannes Jocham aus Friedrichshafen am Bodensee die weiteste Anreise auf sich genommen hatte. Die jungen Männer tobten sich geradezu euphorisch auf der wunderbaren Bahn aus, die hohe Sprünge nach flotten Anläufen zulässt. Dieses Auf und Ab begeisterte und es ließ besondere Momente zu: Wenn der Fahrer den höchsten Punkt eines Sprungs erreicht hatte schien es, als schwebe er für Sekunden in Zeitlupe.

Ist das nicht alles sehr gefährlich lautete eine vorsichtige Anfrage beim Zuschauen. "Wir trainieren ja ordentlich und dosieren das Risiko. Hier fährt keiner einfach so in die Bahn. Wir kennen die Höhen, die Kurven, was hinter den Hügeln kommt und wie man in so eine Bahn reinfährt. Dadurch passiert relativ wenig", erläuterte Peter Kratz. Sagt es und kurvt los, federleicht und elegant. Und nach der Party wurden alle Hügel penibel mit Planen abgedeckt. Nächste Woche wird weiter mit Lehm modelliert, denn zu tun gibt es genug bis zum nächsten Event im Frühjahr 2014.