Halbjahres-Resümee im Vogtlandtheater

Plauen - Ein Halbjahres-Resümee über die Veranstaltungen am Vogtlandtheater zog dessen Generalintendant Roland May. Zugleich bot er Ausblicke auf die nächsten Wochen und Monate.

 

Was können Schneemassen und Dauerfrost einem halbwegs gut beheiztem Theatersaal samt Bühne anhaben, so die weiße (Un)Pracht nicht gerade das Dach faltet, was beim ehrwürdigen Plauener Theater nun wirklich kaum zu befürchten ist? Nun, es kann den Spielplan durchaus durcheinander bringen, wie der Generalintendant des Theaters Plauen/Zwickau, Roland May, während eines Pressegespräches bemerkte. Dennoch sei man relativ gut durch den schwersten Winter seit der Fusion beider Theater gekommen, trotz schwierig zu bewältigender Transportwege von und nach Zwickau., trotz Erkrankungen nicht weniger Schauspieler, die bisweilen über Nacht Umbesetzungen nötig machten. In diesem Zusammenhang kündigte May auch an, dass ausgefallene Vorstellungen der "Schneekönigin" in den Winterferien nachgeholt werden.

Steigende Zuschauerzahlen

Noch mehr am Herzen lagen dem "General" aber die sich erfreulich entwickelnden Zuschauerzahlen, die man anders als bei manchen TV-Sendungen nicht dadurch "hascht", dass man in die unterste Schublade der Qualität greift. Bedingt auch durch die erfolgreichen Open Air-Inszenierungen im Parktheater von "My fair Lady" und "In 80 Tagen um die Welt" wuchs die Zuschauerzahl im Vergleich zu 2009 im Vorjahr um 6000 an - von 64 000 auf 72 000 Besucher. Noch erfreulicher die Situation bei den Angeboten für Kinder und Jugendliche. Wies die Statistik im Zeitraum August bis Dezember vor zwei Jahren noch 50 Veranstaltungen mit etwa 15 000 jungen Gästen aus, so waren es im Vorjahr bereits 80 Aufführungen für rund 20 000 junge Besucher. In diesem Zusammenhang machte May auch auf die Bemühungen aufmerksam, Jugendliche frühzeitig an alle Genres heranzuführen. Ein Weg: Das Theater kommt in die Klassenzimmer. Ein relativ hoher Aufwand, der sich mittelfristig auszahle, ist der Chef überzeugt. Doch einen Wermutstropfen benannte May zugleich auch. Der Trend gehe leider dazu, dass man staatliche Zuwendungen zunehmend an der reinen Zuschauerquote ausrichte.

Foyer wird aufgepeppt

Eingedenk der Tatsache, dass das Auge auch beim Genuss von Kunst "mit isst", werde vor der Premiere des "Maskenball" das Untere Foyer umgestaltet. Künftig soll es mit einem kleinen Getränke- und Speisenangebot die Zuschauer auch nach einer Vorstellung zum Verweilen einladen, um sich untereinander und auch mit den Künstlern auszutauschen. Zusätzlich zu den vorhandenen Stühlen soll demnächst auch das Obere Foyer mit Sesseln und Sofas "aufgehübscht" werden, wie May avisierte.

Gleichzeitig wurde das Pressegespräch genutzt, um über Spielplanänderungen der einzelnen Sparten zu informieren. Nachdem May bereits angekündigt hatte, er könne sich auch die Inszenierung eines dritten Teiles der Stücke des vogtländischen Autoren Christian Martin vorstellen, dessen "Schneemond" für stets volle Häuser in Plauen und nun auch in Zwickau sorgte, verwies Schauspieldirektorin Brigitte Ostermann auf eine zusätzlich in den Spielplan aufgenommene Komödie, die am 11. März Premiere haben werde. "Die offene Zweierbeziehung" reflektiere slapstickartig den Versuch eines Paares, seine Beziehung neu und unkonventionell zu ordnen. Regie führt Roland May, in dem Zweipersonenstück agieren Else Henning und Frank Siebers.

Erfolgreiche Gastspiele

Außerhalb der "eigenen vier Wände" präsentierte sich das Theater überaus erfolgreich mit dem "Teufel mit den drei goldenen Haaren" vor jungen Beuchern in Erfurt. Mit Standing Ovations bedacht wurde der Schauspieler Tom Keune in seiner Geburtsstadt Aachen, wo er den Solopart als "Bombel" ablieferte.

Auftakt für Operissimo

Momentan ausgesetzt aufgrund personeller Schwierigkeiten sei das Stück "Die fetten Jahre sind vorbei". Und auch die Premiere von "Dr. Jekyll und Mr. Hide" müsse wegen zahlreicher Erkrankungen in die nächste Spielzeit verschoben werden. Ein Spielplan erinnere ein wenig an ein Schachspiel, erklärte May, weshalb man ein Stück nicht beliebig verschieben könne. Entweder es stünden für diese Zeit bereits andere Projekte an oder die Schauspieler und Regisseure seien anderweitig beschäftigt.

 

Auch mit der musikalischen Entwicklung zeigte er sich zufrieden. Man bemühe sich, die richtige Mischung zu finden, wohl wissend, dass man dem Publikum zuweilen "einiges abverlange". Aber die Zuhörer seien offen und neugierig und würden entsprechend auch belohnt. Als einen der nächsten Höhepunkte avisierte May das Konzert "Wo die Zitronen blühen". Eine musikalische Reise über Schumann, Strauß, Tschaikowski bis Borodin, moderiert von Kapellmeister Tobias Engeli, dem der "General" ebensolche Bestnoten erteilte wie Generalmusikdirektor Lutz de Veer.

Auf eine Premiere der besonderen Art mit dem Titel "Operissimo" dürfen sich die Opern- und Operettenfreunde am 1. März freuen. Solisten und der Kinderchor des Theaters gestalten einen Gala-Abend mit Melodien beider Genres. Eine Veranstaltung, die künftig regelmäßig stattfinden soll. Und trotz kühler Temperaturen denkt man bereits über das alljährliche Sommertheater unter freiem Himmel nach. In diesem Jahr darf man auf "Die 3 Musketiere" gespannt sein, einer Revue-Operette nach Bednarz sowie das Schauspiel "Emil und die Detektive", ein Angebot, das sich an die ganze Familie richtet und auch in diesem Jahr wieder von einem Vorprogramm umrahmt wird.

Finanzen Damoklesschwert

Nicht ganz unbemerkt vom Publikum, weil während der Arbeiten die große Bühne nicht zur Verfügung steht, wird im Sommer der Einbau der Entlüftungsanlage erfolgen, nachdem der große Saal bereits im Vorjahr mit neuem Gestühl versehen wurde. Bei aller Freude über das künstlerisch Geleistete beziehungsweise noch Anstehende, hänge die Finanzierung wie ein Damoklesschwert über beiden Häusern, machte May abschließend deutlich. Die Kürzungen für den Kulturraum betragen etwa drei Millionen Euro. Eine Summe, wie May sagte, die "zu großen Verwerfungen" führen könne, zumal ein Teil der avisierten Sparmaßnahmen bereits in diesem Jahr greife.

 

Da der größte Teil der Zuwendungen für Personalkosten benötigt würde und lediglich sechs Prozent in den künstlerischen Bereich fließe, bliebe auch nur diese vergleichsweise kleine Summe als "Sparmasse", so dass May eine fatale Entwicklung fürchtet. Er hoffe, dass die derzeit laufenden Haustarifverhandlungen erfolgreich seien, schloss May sein Halbjahres-Resümee.