Hänsel und Gretel im Plauener Goethepark

Der Goethepark wirkt in diesen Tagen etwas anders. Mitten auf dem Rasen stehen ein großes, weißes Zelt mit zwei Kuppeln und viele Wagen eines alten, fahrenden Schausteller-Völkchens drumherum. Der "Zauberwald Märchenpalast" macht in Plauen Station und wird ab Donnerstag groß aufspielen: Hänsel und Gretel.

Plauen - Die Märchenerzähler- und Komödiantenfamilie Sperlich aus Siegen reist seit dem 19. Jahrhundert durch das ganze Land und zeigt ihre aufwändig produzierten Theaterstücke. Nun auch bis Montag in Plauen. "Wir suchen stets nach neuen Orten, jetzt sind wir auf Plauen gestoßen und hoffen, es wird zur Premiere eine schöne Zeit", sagt Ricardo Sperlich, der, wie es für Mitglieder in einem Familienunternehmen üblich ist, vieles in Personalunion erledigt. Interviews geben, Wagen hinstellen, Zelt aufbauen, Kulissen schleppen, proben und auf der Bühne stehen. "Ich gebe in dem Stück den Holzfäller", sagt Ricardo.

Das Areal sieht Klasse aus. Italienische Zeltexperten fertigten das doppelte Palastzelt, in dem die Gäste auf bequemen Sitzen dem Geschehen folgen können. Künstler schufen die Bühnenbilder, die Dekorationen, Kostüme und Requisiten, alles wurde herangefahren von mehreren Lkw und Sattelschleppern, klar, das Ganze wiegt um die 30 Tonnen, so Ricardo. Jetzt werden noch die Feinarbeiten erledigt, darunter auch Handzettel verteilen und Plakate kleben und Passanten ansprechen - Wie wäre es wieder mal mit Märchen?

Es war einmal. Wenn diese schönen drei Wörter fallen, lässt sichs eintauchen in eine Welt, in der Gut und Böse aufeinandertreffen und am Ende (öfters anders als im "echten Leben") das Gute gewinnt. Es freut sich Klein und Groß, wie auch bei der berühmten Grimmschen Märchenstory von Hänsel und Gretel, die sich im tiefen, dunklen Wald verlaufen und von der Hexe mit dem Knusperknusperhäuschen hinterlistig in selbiges gelockt werden, wo es dann bitter böse zugehen soll...

"Bei uns wird die Geschichte klassisch erzählt, einerseits. Andererseits haben wir viel Raum für Fantasie und Situationstheater, wir laden ausdrücklich auch unsere kleinen Besucher zum Mitmachen ein. Wer mutig ist, kann auch auf die Bühne kommen und mitspielen. Lassen Sie sich überraschen", berichtet der junge Theatermann, der nebenbei auch erwähnt, dass er sehr gern die Tradition seiner Familie hochhält.

"Immerhin hat schon mein Ur-ur-ur-großvater Theater gespielt." Ganz im Zeichen der Tradition steht auch ein familiärer Höhepunkt, der in Plauen über die Bühne gehen wird. Sperlich: "Am Mittwoch gibt es eine Taufe. Unsere kleine Ashley, sie ist ein Jahr, wird von Pfarrer Volker Drewes im Zelt getauft. Der Pfarrer ist für uns fahrendes Volk im Land unterwegs." Donnerstag, 17 Uhr, geht dann endlich der Vorhang auf: "Es war einmal ein Mädchen namens Gretel und ein Junge namens Hänsel...."