Händler vermissen klare Ansage

In ganz Sachsen schließt ab morgen bis zum 20. April ein Großteil der Läden: Klamotten-, Schuh- oder Buchgeschäfte sind betroffen, wie auch Volksfeste, Messen, Sport- und Kultureinrichtungen. Auch im Vogtland rüsten sich die Händler auf den Shutdown. Viele Verkäufer waren am Dienstag stark verunsichert: Zu viel Wischiwaschi, keine konkrete Ansage, monieren sie.

Von Cornelia Henze

Plauen "Und bleiben Sie schön gesund!" Dieser Wunsch geht am Dienstag sehr oft zwischen Verkäufer und Kunde hin und her. Das Thema Corona beherrscht neben dem Verkaufsgespräch die Konversation in den Läden. Bis zum Nachmittag herrscht in etlichen Geschäften der Plauener Stadt Galerie Verärgerung über die Hinhalte-Taktik des Centermanagements. "Heute morgen haben wir dort angefragt, doch es herrscht Schweigen da oben", sagt die Filialleiterin von Schuh-Reno verärgert. Erst wenn das Centermanagement oer Polizei und Ordnungsamt es anordneten, könne geschlossen werden. Ansonsten gebe es wohl Vertragsstrafen, glaubt die Verkäuferin. Darauf will sie es nicht ankommen lassen. Andererseits warten acht Schuhverkäuferinnen auf eine klare Ansage. Für einen Teil ist die aber wichtig, steht für junge Muttis doch noch die Frage der Kinderbetreuung. Auch in einem Konfektionsgeschäft zuckt eine Verkäuferin mit den Achseln. "Es ist noch nichts beschlossen. Es geht eine Information raus", heißt es auf Nachfrage vage von einer Mitarbeiterin des Centermanagements. Später meldet sich auch Centermanagerin Daniela Brko. Von den 80 Geschäften schließen ab Donnerstag vor allem Geschäfte für Mode, Schuhe, Bücher. Der DM, Apotheke, die Bäckereien, Frischemarkt Frieda und Fleischerein bleiben auf. "Das ist ein dynamischer Prozess. Wir wissen nicht, was morgen ist." Ab Donnerstag macht die Stadt Galerie schon 18 Uhr zu - zwei Stunden eher. Kurze Zeit später herrscht bei den Damen von "Bonita" zumindest Klarheit. Für Filalleiterin Gabriele Weidenmüller kommt der Shutdown viel zu spät. "Die Zahl der Infizierten steigt, aber hier lassen sie die Galerie immer noch offen. Ich hätte vom Centermanagement erwartet, dass sie eher reagieren". Seit Tagen meiden die zwei Verkäuferinnen, die sich als "harte Bonitaner" bezeichnen, zu nahen Kundenkontakt. Alles werde desinfiziert, auch der Kugelschreiber, wenn ihn ein Kunde beim Bezahlen per Kreditkarte in der Hand gehabt hat. Jetzt seien die Hände schon ganz rau von der Desinfektion.
Klar gebe es persönlich für einen mehr Sicherheit, wenn das Geschäft schließe und man zu Hause bleiben kann - andererseits habe man auch Existenzangst, sagen Simone Gärtner und ihre Kollegin vom Stoffhaasen am Klostermarkt. "Wie wird das zum Beispiel mit der Bezahlerei?", fragt sich Frau Gärtner. Kurze Zeit später gibt es ein Telefonat mit dem Chef. Kurzarbeit ist wohl angesagt. "Für mich als Alleinstehende wird das finanziell schwer", sagt Frau Gärtners Kollegin. Dabei haben die zwei Frauen noch jede Menge Nähaufträge für Gardinen zum Liegen.
"Wie sieht es mit Ägypten aus? Die Flughäfen machen doch auch alle dicht!" Mit diesen Worten betritt ein älteres Ehepaar das Tui-Reisebüro in Plauen. Kundenverkehr gebe es ab Mitte der Woche dann im Reisebüro keinen mehr, aber das Team sei trotzdem am Arbeitsplatz, um Kundentelefonate entgegenzunehmen, sagt die Chefin. Kurzarbeit: Derzeit Fehlanzeige.
"Ich wäre schon dafür, das Geschäft zu schließen", sagt die Verkäuferin im Bekleidungsgeschäft Reflex in Plauen. Seit sich die Corona-Krise zuspitzt, kommen immer weniger Kunden ins Geschäft. Ähnliches sagt die Verkäuferin im "en Vogue". Selten gehe seit Wochenanfang die Ladentür auf, es sei besser, zu schließen.
Noch nicht betroffen von Schließung ist das kleine Service-Geschäft von Gerd Beier am Plauener Klostermarkt. Beier fertigt Schlüssel an, repariert Schuhe, näht Taschen. "Eine Schließung würde mich kaputt machen, ich brauche als Einzelkämpfer den Umsatz", sagt der Handwerker. Würde das passieren, dann wäre es für ihn schon die zweite Pleite. Als Elektromonteur bei der Plamag habe er 2015 schon deren Insolvenz erleben müssen - danach wagte der Handwerker als Selbstständiger den Neuanfang. Angewiesen ist er auf Kundenaufträge, die vor allem von älteren Menschen, die noch Sinn für Wertschätzung haben, kommen. Doch die Rentner kreuzen in diesen Corona-Tagen auch seltener in dem Mini-Geschäft auf.
Ausgenommen von der Schließanweisung ist das Büro- und Schreibwarengeschäft von Ines Röder, weil sie auch Hermes-Poststelle ist und Zeitungen verkauft. "Aber auch wir merken den Kundenrückgang. Der Klostermarkt ist fast leergefegt, die einzigen, die noch unterwegs sind, sind die Politessen", sagt Frau Röder kopfschüttelnd.
"Für die Händler ist es schwierig. Es steht die Frage, wie die Regierung den Händlern, die jetzt Umsatzeinbußen haben, hilft. Aber ja, Gesundheit geht vor", sagt Holger Kappei, Centermanager der Plauener Kolonnaden. Ein Teil der in den Kolonnaden eingemieteten Geschäfte, wie der Elektroladen, das Matratzengeschäft, Dekoladen oder die Telekom-Filiale werden wohl schließen - Frisör, Frischetheken und Post bleiben auf. Kappei: "Der Gewinner bei der ganzen Sache ist der Onlinehandel. Die Leute, die zu Hause sitzen werden dort viel ordern und es wird eine Flut von Pakten verschickt."