Händewaschen im Kunstobjekt

Händewaschen ist ein profaner, alltäglicher Vorgang, der in diesen Tagen besonders oft empfohlen wird. Ganz stilvoll werden Hände sauber in den Waschbecken der Keramikerin Anngret Wolf. Jedes ist ein Unikat.

Von Sybille Güntzel-Lingner

Wildenau Was Keramikerin Anngret Wolf töpfert, ist eher ungewöhnlich. Sie stellt in ihrer Töpferwerkstatt Waschbecken her. Damit hat sie schon viele Kunden gewonnen. Kunden, die das ewige Weiß im Badezimmer satt haben und sich für Farbe und eine individuelle Gestaltung entscheiden. Ihr erstes Waschbecken hat Anngret Wolf während ihrer Wanderschaft getöpfert.


Mit 13 Jahren durch einen Töpferkurs für diesen Beruf angeregt worden, absolvierte sie nach ihrem Schulabschluss eine dreijährige Töpferlehre im Allgäu. Danach zog es sie in die Welt hinaus und ging wie die Zimmerleute auf Wanderschaft. Sie arbeitete in 15 verschiedenen Betrieben in Deutschland, anderen europäischen Ländern und in Nordafrika. Auf diese Weise lernte sie verschiedene Kulturen, Techniken, Formen und Farben von Keramiken kennen. "Das war meine spannendste Zeit", sagt die heute 37-Jährige. Nach der Geburt ihres Sohnes Leopold hat sie eine Pause eingelegt. Danach ging sie mit ihrem Sohn nach England und erfüllte sich dort ihren größten Wunsch, ein zweijähriges Designstudium. In England entstand ihr Waschbecken Nr. 2. "Doch irgendwann hatte ich das Wanderleben über. Ich bin sechs Mal umgezogen, habe sechs Wohnungen renoviert und immer wieder Koffer gepackt. Dabei habe ich erkannt, dass ich für meine kreative Arbeit äußere und innere Ruhe brauche", erinnert sie sich. Gefunden hat sie die in ihrem Elternhaus in Wildenau.


Und so ist sie 2014 mit ihrem Sohn zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Zurückgekehrt in ein Generationenhaus, in dem Großmutter, Mutter, Tochter und der inzwischen 12jährige Leopold in vierter Generation leben. Sie firmiert unter "Ton Art" und kreiert dort unter "bathurell" ihre Waschbecken. Bis jetzt hat sie es auf 150 Varianten gebracht. Sie berät ihre Kunden und erfüllt ihre Wünsche. Die Herstellung einer solchen Waschschüssel dauert Wochen oder Monate. Die Schüssel dreht die Keramikerin traditionell auf der Töpferscheibe. Den Rand modelliert sie aus einer Tonplatte heraus. Allein das Trocknen braucht acht Wochen und das Brennen im keramischen Rundofen dauert vier Tage. Dazwischen glasiert und mustert sie ihre Stücke. Sie behandelt sie wie rohe Eier. Vorsicht ist geboten, denn der Ton kann reißen. "Ich habe viel Lehrgeld bezahlt und meine eigenen Erfahrungen machen müssen", sagt sie. Inzwischen ist sie bei diesen großen Objekten geübt.
Zu haben sind die Waschbecken in zwei verschiedenen Größen. Farben und Musterung können die Kunden wählen. Die Installation im Bad kann durch Aufsetzen auf oder Einlassen in einen Untertisch oder auf einer Ständersäule erfolgen. Natürlich töpfert Anngret Wolf auch Gebrauchsgeschirr und Dekorationskeramik, jetzt auch für Weihnachten. Mit ihren Töpferwaren bereist sie Märkte, von denen allerdings in diesem Jahr viele wegen Corona abgesagt w erden mussten. Vertreten war Anngret Wolf letztens beim Töpfermarkt in Auerbach Eine Zusage hat sie für die Kunsthandwerkermärkte am 1. Advent in Naumburg und für den 2. und 3. Advent im Kulturhof Zickra. Nun bangt sie, dass diese Märkte auch dem Virus zum Opfer fallen könnten.