Hähnchen stößt gewaltig auf

Wortgewaltig machte der Berliner Kabarettist Arnulf Rating die über 300 Zuschauer im König Albert Theater mit seinen politischen Themen bekannt.

Von Steffen Adler

Bad Elster - In seinem Programm klärte der mehrfach ausgezeichnete Kabarettist über das aktuelle Alltags- und Politikgeschehen auf. Mit Koffern in der Hand stürmt er den Saaleingang. "Wenn ich jetzt zu spät komme ist die Bahn schuld." Nicht nur Senioren in Beige, die mit Rollatoren die Bahnsteige blockierten sondern auch die Schäden in der Oberleitung, die schon systemisch sind, weil die Leitung oben einen Schaden hat, seien die Ursache. "Kein Wunder, wenn seit Jahren Automanager die Bahn leiten und Politiker auf dem Abstellgleis stehen", formuliert Rating. Außerdem habe auch die Vogtlandbahn keinen Speisewagen und deshalb musste er sich ein halbes Hähnchen mit dem Taxifahrer auf der Fahrt vom Bahnhof ins Theater teilen, das er vor den Zuschauern auf der Bühne verspeist. "Das besteht eigentlich nur aus Hormonen, Stabilisatoren und Antibiotika", macht er auf Massentierhaltung und Konsumententäuschung aufmerksam. Doch Rating witzelt nicht nur, er stimmt auch nachdenklich. Das Wahlverhalten der Vogtländer zur jüngsten EU-Europawahl unterscheide sich nicht sonderlich vom gesamtdeutschen Ergebnis. "Deutschland ist wieder gespalten", lautet sein Fazit. "Wenn die Entwicklung so weitergeht, bilden womöglich 2021 die FDP und die AfD eine Regierungskoalition", prognostiziert er. Die Regierungsparteien lassen sich immer weniger unterscheiden. "Wir haben lauter Volksparteien, denen das Volk fehlt", so Rating, der von Fake News im Wahlkampf spricht, mit denen für jeden die richtige Botschaft bereitgehalten wird. "Werbung für ein Angebot von 42 Parteien, wenn das mal keine Auswahl ist: Früher gab es nur die SPD für die linke Gesäßhälfte, die CDU für die rechte Gesäßhälfte und die FDP für das Loch in der Mitte". Alles mögliche könnte heute gewählt werden, aber es ändert nichts. "Auch Hitler ist zum Beispiel durch Wahlen an die Macht gekommen und Österreich ist durch Wahlen zu Kurz gekommen", legte Rating nach. Zudem würde die Jugend schon in Anbetracht der immer länger werdenden Wahlzettel hoffnungslos, wenn sie versucht über den Wahlzettel zu wischen und nichts passiert. Ohnehin sei Politiker nur eine angelernte Tätigkeit und nicht anders wie in der Leergutannahme, die auch mit vielen Flaschen zu tun hat. "Früher konnten die noch bestimmen was eine Nachricht ist, heute kann schon jeder höhere Klickzahlen erreichen wenn er nur will", so Rating. Passend dazu nimmt er einen Stapel Zeitungen aus einem Aktenkoffer und bombardiert die Zuschauer mit Schlagzeilen aus der jüngeren Vergangenheit, die er bissig kommentiert. So zum Beispiel die Nachricht, dass in den Schulen künftig statt englisch nun türkisch gelernt werden soll "Okay, wenn Großbritannien nicht mehr mitspielt reden wir eben türkisch", spottet Rating. Fast schon einen Vortrag hielt Rating über den Strategen, der es 1929 schaffte, der amerikanischen Tabakindustrie zu einem riesigen Markt weiblicher Raucher zu verhelfen, indem er für die Osterparade auf der Fifth Avenue in New York eine Gruppe Feministinnen engagierte, die während des Umzuges aus ihren Strumpfbändern Zigaretten zogen und diese in aller Öffentlichkeit rauchten. "An die Presse hatte er die Information gegeben, dass während der Parade Frauenrechtlerinnen die Fackeln der Freiheit entzünden würden. So wurde die Zigarette zum Symbol der emanzipierten Frau. "Wenn Sie heute noch was essen sollten, dann kein Hähnchen, denn das stößt wahnsinnig auf!", gab er den Zuschauern am Schluss mit auf den Weg.