Gyuzkan - ein Moslem aus Bulgarien

Bis zu zwölf Prozent der bulgarischen Bevölkerung gehören einer nationalen Minderheit an - sie besitzen einen türkischen Hintergrund und haben nicht nur Integrationsprobleme, sie werden oft auch diskriminiert.

Zu dieser Minderheit gehört auch Gyuzkan Ezhatov Ismetov. Der 18-Jährige wohnt in Nikopol, einer Stadt an der unteren Donau in Nordbulgarien. Das Jugendaustauschprogramm ,,Hello Europe" führte ihn zusammen mit anderen jungen Menschen nach Deutschland und die letzten Tage auch nach Plauen.

Momentan besucht er in seiner Heimat die Abschlussklasse eines Gymnasiums. Die Hälfte seiner Klasse sind türkisch stämmige Jugendliche. Allerdings sei dies eine der wenigen Städte mit einem so hohen Anteil. Doch nicht einmal sein Aussehen würde ihn verraten, sondern sein Name. Sobald er diesen nennt, seien oft deutliche Reaktionen zu spüren. Vor allem der Glaube, die Verbindung mit dem Islam, stellt in Bulgarien ein Problem dar. Reichlich Vorurteile werden in dem Zusammenhang gestreut. Gyuzkan selbst ist Moslem. Auch er geht in die Moschee um zu beten.

 

Mehr als ein Mal am Tag sei dieses Prozedere für ihn durch Schule und andere Verpflichtungen allerdings zeitlich nicht möglich. In der Freizeitgestaltung habe er die gleichen Chancen wie die Bulgaren. Im Schulalltag allerdings passieren immer wieder Dinge, die eine Ausgrenzung verdeutlichen, sagt er. Zum Beispiel rief ihn ein Lehrer auf, um eine Frage zu beantworten. Er beantwortete sie falsch und bekam eine schlechte Note. Ein bulgarischer Mitschüler, der nach ihm die gleiche Aufgabe ebenfalls nicht richtig löste, wurde das nachgesehen.

"Als ich kürzlich ein Lokal besuchte um etwas zu trinken, wurden erstmal alle anderen Bulgaren bedient, obwohl diese später kamen, bevor ich meine Bestellung aufgeben durfte", erzählt der junge Mann weiter. Sein Hobby ist Tanzen. Mit einer Gruppe, in der ebenfalls viele türkischer Herkunft sind, führen sie traditionelle bulgarische Tänze auf. Auch schon in der Türkei und Ungarn traten sie damit auf.

 

Mit diesem Hobby ist auch sein großer Lebenstraum verbunden. Eine internationale Tanzschule möchte er führen. Viele Menschen sollen bei ihm dann Tanzen lernen. Zu einer Gemeinschaft zusammen wachsen, sich helfen und wie Brüder miteinander leben. Kunst sei eine der besten Möglichkeiten zueinander zu finden, ein großartiges Mittel für Integration, fügt der 18-Jährige hinzu.

Er möchte, dass alle gleich sind, gleich behandelt werden. Etwas schockiert wirkt er denn auch auf die Frage, ob ihm Ehrenmorde ein Begriff sind und wie er dazu steht. "Das ist doch total veraltet!", ist seine erste Reaktion. Vor vielen Jahren wäre das so gewesen. Dass es sowas bei in Deutschland lebenden Türken noch gibt, kann er nicht verstehen. Da wo er lebe sei es völlig unwichtig welche Nationalität die Partnerin oder der Partner habe. "Die Frau die ich einmal heirate kann türkisch, bulgarisch, deutsch oder afrikanisch sein, völlig egal", betont er mehrmals. Menschen sind gut erzogen oder nicht. Andere Unterschiede gibt es nicht", sagt er und lächelt. sr