GVG-Busse ausgebremst

Der Göltzschtalverkehr Rodewisch wird ab Oktober erstmals keine Buslinien für den ÖPNV im Vogtland mehr fahren. Geschäftsführer Tino Dutzky verliert damit 70 Prozent seines Auftragsvolumens und muss sein Busunternehmen völlig neu aufstellen. Parallel dazu baut die Firma Reiher aus Plauen in Rodewisch einen großen Verkehrshof - obwohl der Göltzschtalverkehr (GVG) dort schon einen vorhält.

Von Cornelia Henze

Rodewisch - Der Busbahnhof Rodewisch wird bald der größte Verkehrsknotenpunkt in Sachen Busverkehr im Vogtland. Die Pläne für den Neubau des Busbahnhofes werden demnächst umgesetzt. Relativ zeitgleich greift das neue Busliniennetz, für das der Plauener Omnibusbetrieb (POB) Ende vorigen Jahres die europaweite Ausschreibung durch den Verkehrsverbund Vogtland (VVV) gewonnen hat. Drittens wird die Firma Nutzfahrzeug Service Reiher aus Plauen von dem Sog, der in Sachen Verkehrsmittelpunkt nach Rodewisch geht, angezogen: Gunter Reiher baut in der Äußeren Lengenfelder Straße, zwischen B 94 und B 169 eine Busservice-Station mit Tankstelle, Reparaturwerkstatt und 50 Busstellplätzen, wie aus dem unserer Zeitung vorliegendem Exposé. Inbetriebnahme 2020. 
In den nächsten ein, zwei Jahren tut sich in Sachen ÖPNV im Vogtland im Allgemeinen und in Rodewisch im Speziellen eine Menge - allein Tino Dutzky und sein Göltzschtalverkehr sind aus dem Spiel gekickt. "Alle sind im Boot, außer der Göltzschtalverkehr", moniert der Busunternehmer. Nachdem der Plauener Omnibusbetrieb die Ausschreibung über das Liniennetz gewonnen hat, nahm er zwei von drei vogtländischen Betrieben, die Unternehmen Herold Busreisen Klingenthal und die  Verkehrsbetriebe Gerlach Reichenbach, als Subunternehmen unter Vertrag. Sie decken einen Teil der Leistungen ab. Nur den Göltzschtalverkehr bleibt außen vor.
Als zweitgrößtes Busunternehmen im Vogtland sei der Göltzschtalverkehr immer in direkter Konkurrenz zum POB gestanden, versucht Dutzky zu erklären, weshalb der POB den GVG nicht als Partner will. Die Chemie hat also nicht gestimmt. Am Reglement der Ausschreibung sei aber nichts zu beanstanden. "Alles legitim", sagt Tino Dutzky. 
Aber auf das faire Verhalten und die Zwischentöne Einzelner hätte er großen Wert gelegt. Da wäre Landrat Rolf Keil, der als Mediator die Initiative hätte ergreifen und dafür Sorge tragen müssen, dass alle Verkehrsbetriebe - und sei es als Subunternehmen - an der Verteilung des Liniennetzes beteiligt werden. Zum zweiten ist da die Stadt Rodewisch, die erst kürzlich durch einen städtebaulichen Vertrag mit der Firma Reiher Plauen den Weg frei machte für den Bau einer Tank- und Servicestation in der Äußeren Lengenfelder Straße. Der Stadtrat hatte mehrheitlich zugestimmt.
Das Grundstück, auf dem Reiher bauen wolle, habe dem Zweckverband Wasser/Abwasser Vogtland (ZWAV) gehört, stand dort doch früher das alte Klärwerk. Die Stadt habe auf den Verkauf also keinen Einfluss gehabt, sagt Bürgermeisterin Kerstin Schöniger. Einfluss hätte der Stadtrat aber mit seinem Votum darauf gehabt, welche Art Gewerbe entsteht, so der Vorwurf Tino Dutzkys, der den Sinn, in Rodewisch gleich zwei Betriebs- und Reparaturhöfe für Busse zu betreiben, hinterfragt. Der Stadtrat, in dem Dutzky übrigens seit 16 Jahren für die CDU sitzt und in dem er ab neuer Legislatur nach diesen Vorfällen nicht mehr sitzen mag, hätte hier anders entscheiden können. Man hätte dem POB eine Zusammenarbeit mit bestehendem Verkehrshof nahelegen können.
Wenn der GVG schon nicht am neuen Busnetz beteiligt ist, so hätte Dutzky zumindest seinen Verkehrshof an den neuen Dienstleister vermieten oder teils verkaufen wollen. "Zwei Verkehrshöfe in Rodewisch. Das ist perfide", so sein Urteil. Der 1992/93 in der Bachstraße für 8 Millionen DM gebaute Verkehrshof, wird von Dutzky technisch auf neuestem Stand gehalten. Lkw-Waschanlage, TÜV-geprüfte Dieseltankstelle, ein modernes Werkstattsystem mit Bremsrollenprüfstand und sechsköpfigem Schlosserteam: Alles da.
Dass die Linienbusse bald ohne den GVG rollen, ist für Dutzky auch aus traditionelle Sicht bitter. Sein Vater, Bodo Dutzky, führte vor der Wende den staatlichen Kraftverkehr in Rodewisch als Betriebsleiter; 1996 übernahm er ihn in Teilprivatisierung, 1999/2000 dann ganz.
Seine Enttäuschung darüber, wie alles gelaufen ist, ist inzwischen dem pragmatischen Blick in die Zukunft gewichen. Mit einer oder zwei Handvoll seiner 50 Mitarbeiter wird sich Dutzky auf das Reisegeschäft mit Göltzschtalreisen konzentrieren und sich bemühen, Aufträge für das Busliniennetz anderer Anbieter an Land zu ziehen. Bisher machte der Anteil der GVG im Busreisegeschäft 30 Prozent aus. Beruhigt ist Tino Dutzky, dass seine Busfahrer per Übergangsvertrag für den POB hinterm Lenkrad sitzen werden. Arbeitsplätze sind ergo nicht in Gefahr. Den Großteil seiner 40 Busse wird Dutzky verkaufen müssen. Bis Mitte Oktober rollen sie aber noch im Vogtlandnetz.