"Gutes Kabarett-Klientel"

Auerbach - Den roten Haarschopf von Gerd Hoffmann, alias "Radieschen", hat man in Auerbach schon öfters gesehen. Als leidenschaftlicher Politkabarettist gastierte der Berliner schon mehrfach in der Göltzschtalgalerie. Am Samstag stellte er dort eine aktuelle Mixtur politischer Sketche vor. Der Abend gefiel nicht nur dem Publikum, auch Hoffmann zeigte sich am Ende zufrieden. "Die Vogtländer sind ein gutes Kabarett-Klientel. Und das ist heutzutage ziemlich selten", lobte der Schauspieler.

Diese Anerkennung besitzt ihren Hintergrund: Als Berufs-Kabarettist registriert Gerd Hoffmann eine Flaute im Geschäft. "Deutschland ist kein Kabarett-Land mehr. Die Leute sind politisch und wirtschaftlich frustriert. Keiner hat mehr Geld für realistische Eintrittspreise. Die gegenwärtige Krise schlägt sich auch in meiner Branche nieder", bekannte der Schauspieler. Seit zwanzig Jahren stehe er nun auf den Bühnen, in letzter Zeit würde sich daraus ein mies bezahlter Knochenjob entwickeln. "Viele treue Veranstalter sagen ab. Die fixen Kosten für einen Auftritt nehmen zu, die Besucher nehmen im Gegenzug ab", bringt es Hoffmann auf dem Punkt.

Vor allem die hohen Zwangsabgaben an die GEMA und Künstlersozialkasse machen es schwer. "Diese aufdiktierten, gnadenlos ausgepressten Gelder sind der Ruin für niveauvolle Kleinkunst und das Kabarett im Lande", so das schonungslose Fazit des Kabarettisten. Trotz seiner Sorgen meisterte Rotschopf Hoffmann das Auerbacher Programm mit Bravour, Routine und in solider Kunst. Die Pointen trafen die großen und kleinen Politiker. Gesundheit, Steuern, Bildung, Konjunktur und Flaute kamen genauso unters rhetorische Messer wie der Umweltschutz und die weltbeherrschende Finanzkrise.

Als Profi beherrscht Hoffmann die Klaviatur von charmanten Witz und bissigen Späßen. Lob gab"s dafür vom Publikum, Gerd Hoffmann kam nur nach einigen Zugaben von der Galerie-Bühne und will trotz Künstlersozialkasse auch einmal wiederkommen.  HH