Gute Zahlen - aber keine Boom-Region

Auf zum letzten "Gefecht" - zum letzten Mal in ihrer Amtszeit stand Arbeitsagentur-Chefin Helga Lutz den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsausschusses Rede und Antwort. Das Thema hieß Rück-und Ausblick auf den hiesigen Arbeitsmarkt. Es gibt viele Erfolgsmeldungen, aber auch Herausforderungen.

Noch nie gab es in Nachwendezeiten weniger Arbeitslose als im vergangenen Jahr. Erstmals lag die entsprechende Quote im Vogtland unter fünf Prozent (4,8). Durchschnittlich waren es 5577 Menschen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgingen. Zur Erinnerung: Anfang der 1990er Jahre seien es bis zu 24000 Männer und Frauen gewesen, erinnert sich Lutz an die Anfänge ihrer Tätigkeit im Vogtland. Damals gab es völlig andere Herausforderungen als heute auf dem Arbeitsmarkt. Momentan werden händeringend Fachkräfte gesucht.
Ist also alles Gold, was glänzt? Vieles ja, manches nicht. So hätte sich Lutz "noch größere Fortschritte erhofft", in Sachen Jugendarbeitslosigkeit. Derzeit werden insgesamt 490 Personen unter 25 Jahren registriert, die ohne Job sind. "Das ist immer noch zuviel", so Lutz ohne Umschweife. Hat die Arbeitsagentur keine Handhabe in solchen Fällen? Das wollte Stadträtin Alexandra Glied (CDU) wissen. Und die Antwort kam prompt. "Mit Sanktionen üben wir meist keinen Druck aus. Viele sind teils weg", so Lutz. Was bleibt sei oftmals nur das Prinzip Hoffnung auf späte Einsicht - womöglich dann, wenn sich die Familienverhältnisse ändern. "In vielen Fällen haben wir sonst keine Möglichkeiten", musste die Fachfrau konstatieren.
"Erfolge ja, aber keine steigende Dynamik" - so beschrieb die Agentur-Chefin die Situation in Sachen Arbeitsvermittlung von Ausländern. Fehlende Sprachkenntnisse seien dabei das größte Hemmnis. Die Deutschkenntnisse reichten mitunter zwar für das alltägliche Leben (zunächst) aus, aber noch nicht für die Berufsschule. Weiteres Problem sei die mitunter eingeschränkte Mobilität - sprich es fehlen Führerschein und Auto. Das trifft aber nicht nur auf Flüchtlinge/Asylbewerber zu. Deshalb fordert Lutz eine bessere Anbindung des Öffentlicher Personennahverkehrs (ÖPNV) - beispielsweise an die Gewerbegebiete an der Autobahn.
Dass Plauen und das Vogtland auf dem Arbeitsmark recht gut da steht, hat nicht zuletzt demografische Gründe. Eine Boomregion sei die Region nämlich nicht. Das lässt sich auch daran festmachen, dass kaum Arbeitsplätze neu geschaffen werden - wie beispielsweise in Dresden oder Leipzig. Das wird sich auch heuer nicht ändern. Vielmehr gehe es den Unternehmen darum, den Arbeitskräftebestand zu erhalten. Schwer genug: Wird doch in den kommenden Jahren die Baby-Boom-Generation verstärkt aus dem Berufsleben ausscheiden. Laut Prognose geht bis zum Jahr 2030 im Vogtland jeder fünfte Beschäftigte dem Arbeitsmarkt verloren (-19,6 Prozent). Zum Vergleich: In Dresden und Leipzig wird mit einem Zuwachs um 3,9 beziehungsweise 2,5 Prozent gerechnet.
Eine gute Nachricht für viele Arbeitnehmer: Es hat sich etwas getan in der Geldbörse: Der Vogtländer verdiente 2019 im Schnitt 2357 Euro pro Monat (+116 Euro im Vergleich zum Vorjahr).
Für Agentur-Chefin Lutz war es wohl der letzte Auftritt vor den Plauener Stadträten - zumindest dienstlich. Am 31. März hat sie ihren letzten Arbeitstag. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja doch ein Wiedersehen - dann allerdings in der Einwohnerfragestunde. M.W