Gut behütet

Unweit von Pausa, im thüringischen Pahren bei Zeulenroda-Triebes, hat sich ein Hutclub gegründet. Ihm gehören Frauen von beiden Seiten der Landesgrenze an.

Von Jochen Pohlink

Pahren/Leubnitz - "Einen Auftrag für das berühmte Pferderennen in Ascot habe ich bisher ebenso wenig wie von der Queen, aber ich kann dennoch auf eine große Zahl von zufriedenen Kundinnen aus Nah und Fern blicken", erklärt Kerstin Oertel, die sich seit vier Jahren als Modistin mit dem Schwerpunkt der Gestaltung individuell gewünschter Hutkreationen beschäftigt.
Seit frühester Kindheit hatte sie wie viele kleine Mädchen ein Faible sich auch mit Hüten zu verkleiden. Diese Leidenschaft ließ sie ihr bisheriges Leben lang nie los, obwohl ihr Berufsweg einen ganz anderen Verlauf nahm.
In Weckersdorf geboren, wollte sie eigentlich nach dem Abitur in Zeulenroda Ärztin werden. Stattdessen erlernte sie wegen persönlicher Umstände den Beruf eines Facharbeiters für Datenverarbeitungstechnik und übte diese Tätigkeit bis zum Ende der DDR auch aus. Die danach mit ihrem damaligen Mann begründete Spedition ging 1996 den Bach hinunter und sie war seitdem in mehreren Berufsfeldern - unter anderem im Vertrieb für Geräte zur Magnetresonanztherapie - unterwegs.
Durch den Kontakt mit einer Bekannten fand sie 2016 den Weg zu ihrer heutigen Tätigkeit und erwarb sich die erforderlichen Kenntnisse zur Gestaltung von Kopfbedeckungen autodidaktisch. Ihr Haus in Pahren wurde umgekrempelt und im Souterrain entstand eine Werkstatt mit einem dazugehörigen Geschäft für alle modischen Accessoires von der Anstecknadel bis zum Wintermantel. "Allein von der Gestaltung von Hüten nach den Vorstellungen der bisher fast ausschließlich weiblichen Kunden ist man nicht auskömmlich", fügt sie korrekterweise hinzu.
Die sich entwickelnde Kundschaft veranlasste sie mit einem Teil von ihnen gemeinsam den Hut-Club "Kerso" am 9. September dieses Jahres zu gründen, der sich seither von 11 Gründerinnen auf 27 erweitert hat. Mehrheitlich aus Thüringen kommen die Mitglieder, aber auch einige Damen aus Sachsen gehören zum illustren Kreis. "Als ich hörte, dass so etwas aus der Taufe gehoben werden soll, war ich begeistert von der Idee und wurde gemeinsam mit meiner Mutter Gründungsmitglied", sagt Ulrike Reichardt aus Leubnitz.
Nun ist das Tragen eines modischen Hutes in der Öffentlichkeit noch nicht jeder Fraus Sache, aber es gibt Hoffnung: "Ich geniere mich von Tag zu Tag weniger, mit Hut in der Stadt unterwegs zu sein", sagt Hanne. Sie gehörte zu den fünf Clubmitgliedern, die anlässlich des "Internationalen Tages des Hutes" spontan zu einem Besuch in Pahren aufgebrochen waren, um der Gründerin ihre Aufwartung zu machen. "Vielleicht hilft der Beitrag im Vogtland Anzeiger, unserem Club mehr Aufmerksamkeit zu schenken und ihn personell zu verstärken", erklärt Frau Oertel, die den Club auch deshalb gründete, um den Hut wieder alltagstauglich zu machen.