Gürtel und Hosenträger

Wie stellt man fest, ob jemand Corona hat? Die Sächsische Coronaverordnung fordert von (Arbeits)Pendlern ab kommendem Montag zweimal die Woche einen Antigen-Test. Die Firma Meiser Gitterroste in Oelsnitz plant mit eigenen Kräften solche Test für rund 175 in Frage kommende Arbeitskräfte aus Tschechien - und Dr. Udo Junker hilft bei der Vorbereitung: Der Plauener Allgemeinmediziner schult eine Handvoll Leute, die dann ihre Kollegen testen. Junker hat während der aktuellen Pandemie geholfen, die Corona-Ambulanz in Plauen zu organisieren. Und er ist auch der richtige Mann, um den Unterschied zu erklären zwischen Antigen-Tests und üblichen PCR-Tests. Warum? Weil er nach eigenen Angaben 1987 bis 2001 in Jena an der Uni Jena, im Institut für Immunologie, "sehr viel mit Molekularbiologie gemacht" hat.

Herr Dr. Junker, was ist der Unterschied zwischen den beiden Tests?
Der Antigen-Test kostet um die zehn Euro und liefert schnell ein Ergebnis: Der Nachweis der Eiweiß-Spitzen an der Oberfläche des Virus dauert 15 Minuten. Der PCR-Test kostet mindestens dreimal so viel und erst nach üblicherweise 48 Stunden steht das Ergebnis fest: Er weist Gen-Material des Virus nach; selbst kleinste Mengen sind durch stete Verdopplung messbar.

Welche Nachteile hat der Antigen-Test?
Zum falschen Zeitpunkt genommen liefert er falsche Ergebnisse - und wiegt in trügerischer Sicherheit.

Was heißt das?
Der typische Verlauf einer Corona-Erkrankung ist eine Kurve: Der Patient ist infiziert, aber er steckt noch keinen an, weil die Viruslast gering ist; der Antigen-Test meldet keine Krankheit. Dann steigt die Viruslast und der Patient wird ansteckend - zwei Tage bevor er Symptome zeigt: Und in diesem Grenzbereich ist der Test unsicher.

Und der PCR-Test? Schlägt der an?
Der schlägt mit sehr großer Sicherheit an - und das ist auch sein größter Nachteil: Er schlägt noch an, wenn die Krankheit ihre ansteckende Phase bereits hinter sich hat. Leute werden dann in Quarantäne gesteckt, die eigentlich als gesund gelten könnten. Das ist für den Einzelnen problematisch, weil mit Einschränkungen verbunden.

Kann man sagen, der PCR-Test ist wie "Gürtel und Hosenträger"?
Ja, er geht auf Nummer sicher. Es ist eine Güterabwägung: Größere Sicherheit wird mit größeren Einschränkungen erkauft.

Jetzt beginnen Apotheken, wie in Ellefeld und Falkenstein, Antigen-Tests anzubieten. Wem empfehlen Sie einen solchen Test?
Zum Beispiel Leuten, die das Pflegeheim besuchen wollen. Ist der Test negativ, können sie ihre Großmutter sehen - aber trotzdem mit Maske und Abstand. Auch (Arbeits)Pendler können an ihren Arbeitsplatz, bei negativem Ergebnis. Anders verhält es sich bei Leuten, die sich krank fühlen: Ist der Antigen-Test positiv, müssen sie sofort in Quarantäne. Die Quarantäne ist übrigens auch angesagt für die Zeit, die vergeht zwischen dem PCR-Test und Bekanntgabe des Ergebnisses. ufa